Törnbericht Harlesiel - Wilhelmshaven - Aurich - Oldersum - Haren - Duisburg
#1
Samstag, 27.09.2014
Der Törn nach Duisburg beginnt früh um 8 Uhr mit der Anreise per Bahn und Bus nach Harlesiel.
       
Wir übernachten dort im Hotel Harlesiel und wollen am Sonntagvormittag mit dem Boot los.
Der Weg von der Haltestelle zum Hotel führt uns über die Brücke an der Schleuse.
           
Da gerade geschleust wird, steht der Hafenmeister am Fenster. Ich nutze die Gelegenheit und frage nach dem Zeitpunkt der Durchgangsschleusung am nächsten Tag. "...so gegen 10 nach 11, evtl. auch etwas früher...steht mal ab 10 vor 11 bereit...". Da wir so gegen 11 Uhr los fahren wollen, passt das super in unsere Planung.
Nachdem wir unsere Taschen im Hotel abgegeben haben, gehen wir das Stück bis zur Küsten-Räucherei Albrecht um dort Mittag zu essen. Nach einem herrlichen Fischgericht fahren wir mit dem Schaufelraddampfer Concordia II nach Carolinensiel.
                   
               
Hier kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und setzen uns dann mit einem Eis an den Hafen und genießen die Aussicht und das schöne Wetter.
   
Mit der nächsten Tour der Concordia II fahren wir zurück, diesmal bis zur "Endstation" Schleuse Harlesiel.
   
Dabei können wir noch einmal einen Blick auf das Boot an seinem Liegeplatz Nr. 43 werfen.
   
Damit wir den nächsten Tag in Ruhe angehen können, verstauen wir schon einmal all das, was wir nicht zum übernachten benötigen an Bord. Den Abend lassen wir mit einem guten Essen und dem einen oder anderen Jever im Hotel ausklingen.
   

Sonntag, 28.09.2014
   

Nach einer geruhsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück gehen wir zum Boot. Auf Grund der guten Vorarbeit sind wir schnell startklar. Wir machen die Leinen los und bereiten uns auf die Durchgangsschleusung vor. Da wir überhaupt keinen Wind haben, bleibt das Boot ohne große Korrekturen auf der Stelle.
   
Um 11:20 Uhr ist es dann soweit, beide Tore gehen auf und wir können durch. Wir sind ca. 4 Stunden vor Hochwasser und in der Fahrrinne ist entsprechend wenig Wasser.
           
Der Wind weht, wenn man überhaupt von wehen sprechen kann, mit Stärke 2, demzufolge gibt es auch keine Wellen. Wir fahren Richtung Wangerooge um dann in die Telegraphenbalje einzufahren.
   
Trotz des frühen Zeitpunkts haben wir mehr als genug Wasser unter dem Kiel. Wir kommen gut voran und sind schon bald an der Blauen Balje, bei der wir Richtung Süden in das Minsener Oog Fahrwasser abdrehen.
               
Hierbei beachten wir den Hinweis in der Literatur, nicht direkt nach Süden zu laufen, sondern den Bogen auszufahren, da sich südlich ein Flach befindet, das sich von Jahr zu Jahr weiter nach Norden ausdehnt. Es geht ohne Probleme durch das Wattfahrwasser und dann in die Jade.
       
Auch hier haben wir keine nennenswerten Wellen und kommen gut voran. Für die Seeschleuse in Wilhelmshaven muss ich uns mindestens eine Stunde vorher anmelden. Ich rechne kurz nach und stelle fest, das wir in etwa 1,5 bis 2 Stunden dort ankommen werden. Also das Handy raus und angerufen. Auf die Information „Wir sind so um 15:30 bis 16:00 Uhr an der Schleuse…“ kommt die Antwort „…wenn ihr 15:30 Uhr hier seid, kann ich euch mit der Sammelschleusung mitnehmen…sonst erst nach 16:30 Uhr…“. Da wir ja völlig ruhiges Wasser haben, können wir die Geschwindigkeit so anpassen, dass wir um 15:30 Uhr an der Schleuse sind. Ich melde uns also für die Sammelschleusung an. Die weitere Fahrt führt uns an der imposanten Industriekulisse, den Löschbrücken und dem Jade-Weser-Port vorbei.
               
Unsere Berechnung stimmt auf die Minute und wir können mit vielen anderen Booten in die Schleuse einfahren. Es ist schon beeindruckend, wenn man in diese 390 Meter lange und 60 Meter breite „Kammer“ einfährt. Zum Anlegen am „Schwimmsteg“ (eigentlich der Fender für die großen Pötte) müssen wir noch schnell ein paar Korrekturen an den Fendern vornehmen. Dieser Steg ragt tatsächlich nur wenige Zentimeter aus dem Wasser und ist dazu noch von der Wasseroberfläche aus Richtung Schleusenwand schräg gestuft. Die Fender müssen wir also so tief hängen, dass sie auf dem Wasser aufsetzten und sich leicht schräg unter den Rumpf schieben. Für die Sportboote gibt es Kreuzpoller, die aber teilweise von dem oberen Teil des Schwimmsteges abgedeckt werden. Vom Boot aus sind diese nicht gut zu erreichen, mein Schwager steigt also aus und macht die Leinen fest. Nachdem alle sicher fest sind, schließt sich das Tor. Schon ein imposanter Anblick, wenn so ein 1700 Tonnen schweres und 60 Meter breites Tor langsam zufährt. Das anschließende Ablaufen des Wassers ist kaum zu merken. Eigentlich logisch, eine so gewaltige Wassermenge kann man ja auch nicht ungebremst in den Hafen laufen lassen. Nach dem Ende des Schleusenvorganges fahren wir dann aus der Kammer in den Hafen, weiter unter der Kaiser-Wilhelm-Brücke durch zum Hochseeyachtclub Germania. Der Hafenmeister nimmt uns schon am Anleger in Empfang und weist uns gleich in die Örtlichkeiten ein. Als der Skipper des Seglers vor uns mitbekommt, dass ich für den nächsten Tag 8 Uhr den Schleusenwärter zur Marienschleuse bestellt habe, schließt er sich uns an. Sein Ziel ist die Werft hinter der Schleuse. Ich telefoniere noch eben mit der Deichbrücke um diese für morgen 7:30 Uhr zu bestellen, dann halten wir noch einen kleinen Plausch mit dem Hafenmeister und machen uns auf den Weg in das Clubrestaurant.
   
Hier trinken wir, mit einem schönen Blick auf den Hafen und die Kaiser-Wilhelm-Brücke, erst einmal ein Bier
       
um uns dann auf den Weg zu machen, den Südstrand zu erkunden. Hier einige Bilder von der Kaiser-Wilhelm-Brücke
                   
und von den größeren Exponaten des Marinemuseums.
               
Dabei erfahren wir, dass heute der letzte Tag des Events „Lichtspiele am Südstrand“ ist. Wir beschließen zum HYC zurück zu gehen um dort zu essen. Das Essen ist ausgezeichnet, die Bedienung sehr freundlich und zuvorkommend. Mit Einbruch der Dunkelheit machen wir uns wieder auf den Weg zum Südstrand. Überall stehen leuchtende Skulpturen, sind Fackeln aufgestellt und Artisten bieten ihre Show dar. Über den kompletten Strand wabert mystische Musik aus eigens dafür aufgestellten Lautsprechern. Dieser Stimmung kann man sich nicht entziehen, man wird einfach mitgenommen. Nach vielen schönen Eindrücken, gehen wir zurück zum Boot und legen uns in die Koje.
       

Montag, 29.09.2014
   

Wir stehen um 6:00 Uhr auf, gehen duschen und frühstücken noch schnell, bevor wir um kurz vor halb acht die Leinen losmachen und quer durch den Hafen Richtung Deichbrücke fahren. Der Segler und ein weiteres Boot schließen sich uns an. Pünktlich um 7:30 Uhr geht die Brücke auf, direkt danach die Rüstringer Brücke und wir sind um 8 Uhr an der Marienschleuse. Nach wenigen Minuten ist diese offen und bereit zur Einfahrt. Nachdem die Tore geschlossen sind, geht es sage und schreibe 30 cm nach unten und wir können auch schon wieder ausfahren. Ich hatte mich im Vorfeld im Internet umgesehen, um Informationen zu den Schleusen und Brücken des Ems-Jade-Kanals zu erhalten, Fehlanzeige. Deshalb haben wir beschlossen, alle Bauwerke der Reihe nach zu fotografieren und daraus eine Beschreibung anzufertigen. Die Beschreibung ergänzt den Bericht an dieser Stelle durch die diversen Fotos. Es ist eine absolut malerische Strecke, vorbei an Feldern, Wiesen und durch Wälder, deren Baumwipfel über dem Kanal zusammengewachsen sind, traumhaft schön.

Fahrt über den Ems-Jade-Kanal von Wilhelmshaven nach Oldersum

Wir fahren den Kanal nicht bis nach Emden, sondern verlassen ihn vorher nach Süden auf den Verbindungskanal Richtung Ems-Seitenkanal. Auch hier sind noch ein paar Brücken und die Verbindungsschleuse zu nehmen, was aber dank der kooperativen Mitarbeit des Schleusenpersonals kein Problem darstellt. Die Verbindungsschleuse mit der davor liegenden Brücke ist durch eine Vorrichtung zur Selbstbedienung ausgerüstet. Kleiner Tip, wirklich feste an der Kette ziehen. Kurz nachdem die Brücke geöffnet hat, geht auch die Schleuse auf, so das keine Wartezeit entsteht. Die Schleuse selbst hat ein Mittelhaupt, deshalb sollte man so weit wie möglich nach vorne durchlaufen, damit diese wassersparende Maßnahme auch genutzt werden kann. Zum Festmachen sind in der Schleuse Gleitstangen angebracht. Aber Vorsicht, auch wenn es so aussieht, als wenn die Kammer glatte Wände hätte, hat sie diese nicht. Stattdessen stehen in größeren Abständen runde Dalben, deren Lücken für manches Boot recht groß sind. Deshalb gut abfendern und beim Schleusenvorgang die Augen offen halten. Nachdem wir aus der Schleuse heraus sind, haben wir freie Fahrt bis zu unserem Ziel Oldersum. Na ja, zumindest fast freie Fahrt. Es gibt noch eine feste Brücke, deren Höhe mit 3 Metern angegeben ist. Ich lege die UKW-Antenne und wir fahren vorsichtig unter dem Bauwerk durch. Plötzlich ein Aufschrei meines Schwagers, wir haben nicht an den Flaggenstock gedacht und dieser hat genau einen Zentimeter Platz unter der Stahlkonstruktion, Glück gehabt. Die folgende Brücke ist mit 3,10 angegeben und wir passen ohne Probleme darunter durch. In Oldersum angekommen machen wir in einer freien Box des Yacht-Club Unterems fest und gehen auf die Suche nach einer Möglichkeit irgendwo zu essen.
       
Der Ort ist aber derart klein, das wir nicht fündig werden, zumal heute Montag ist und das einzige Restaurant natürlich Ruhetag hat. Also zurück zum Boot und selbst etwas gemacht. Der Hafen ist sehr hübsch, die Sanitäranlagen sehr gut und außerordentlich sauber. Es fängt leicht an zu regnen, aber wir sitzen trocken im Boot und gehen zeitig schlafen.

Dienstag, 30.09.2014
   

Wir stehen recht spät auf, gehen duschen und frühstücken anschließend in aller Ruhe. Meine Planung sieht so aus, das wir mit auflaufendem Wasser die Ems hochfahren um den „schiebenden“ Effekt auszunutzen. Niedrigwasser in Oldersum ist heute aber erst um 11 Uhr, somit noch viel Zeit. Dann kommen mir aber bedenken wegen des Wasserstandes vor der Schleuse Oldersum. Hier sollen bei Niedrigwasser nur knapp 50 cm stehen, das ist auch für Stuppi recht wenig. Also kurz überlegt und dann gegen 10 Uhr per Funk bei der Schleuse angemeldet, Leinen los und rein in die Kammer. Es sind ja nur 100 Meter bis zur Schleuse. Als das Tor zur Ems aufgeht, sehen wir, das die Entscheidung goldrichtig war. Schon jetzt muss ich um die eine oder andere trockene Stelle herumfahren und der Propeller wirbelt ganz schön viel Schlamm auf.
   
Wer weiß, wie das in einer Stunde aussieht. Das Wetter ist nicht so toll, diesig, leichter Nebel und somit keine gute Sicht.
       
Was mich etwas beruhigt ist, das bei ca. 1,5 Meter Wassertiefe sicher nicht mit den großen Pötten zu rechnen ist. Nach kurzer Zeit löst sich der Nebel auf und die Sicht wird deutlich besser. Weil der Ebbstrom doch ordentlich gegen uns arbeitet, beschließen wir den „Hebel auf den Tisch“ zu legen um im Gleitmodus besser voran zu kommen.
   
So fahren wir bis Papenburg zügig durch. Oberhalb von Papenburg geht es wieder langsamer voran, das Wasser wird flacher.
       
Als wir in Funkreichweite der Schleuse Herbrum sind, hören wir folgenden Dialog mit:
Das Motorschiff: „...möchten zu Tal...“
Die Schleuse: „...das halte ich für keine gute Idee, wenig Wasser...“
Das Motorschiff: „...wir möchten trotzdem...“
Die Schleuse: „...ok, dann kommt...“
Nach der letzten Biegung vor der Schleuse sehen wir dann, was der Schleusenwärter gemeint hatte, das Motorschiff steckt 100 Meter nach der Schleuse fest.
   
Dadurch sind wir nun gezwungen, das Fahrwasser zu verlassen und uns an dem Festsitzer vorbei zu manövrieren. Von der Uhrzeit her ist nun Niedrigwasser erreicht, was wir auch direkt merken. Ich höre die Schraube durch den Schlick drehen und fahre den Außenbordmotor sofort in den Flachwassermodus hoch. Mit ein wenig „schunkeln“ im Boot rutschen wir an dem Motorschiff vorbei und erreichen vor der Schleuse wieder die Fahrrinne mit ihren 40 cm Wassertiefe.
   
Nun müssen wir auf das Einsetzen der Flut warten. Hier draußen scheint es sehr einsam zu sein. Sicher ist mein Boot weiß, aber es sieht nicht aus wie ein Schwan und ist auch deutlich größer. Der Schwan schwimmt eine ganze Zeit lang um uns herum und wir können ihn nur mit Mühe davon abhalten, zu uns an Bord zu kommen.
       
Es ist beeindruckend, wie schnell und mit welcher Menge das Wasser aufläuft. Die Schleuse bekommt den Funkruf, das ein leeres Motorschiff zu Berg schleusen möchte. Das wird bestätigt und wir werden von der Schleuse aufgefordert mit dem Berufsschiff zu schleusen. Ach ja, der Festsitzer ist mittlerweile auch wieder frei, so das die Fahrrinne wieder zur Verfügung steht. Das Schleusen geht schnell und problemlos von der Hand und wir haben damit die Tidengewässer hinter uns gelassen.
   
Die weitere Fahrt incl. der Schleusen Bollingerfähr, Düthe und Hilter ist schön und verläuft problemlos.
           
Es ist 18 Uhr, als wir im Yachthafen Wassersport Haren e.V. ankommen. Als ich den Hafenmeister anrufe, um uns anzumelden, fragt er, wann wir morgen wieder los wollen. „...sehr früh...“ antworte ich. „..ok, dann komme ich noch mal zum Hafen, bin so in 20 Minuten da...“. Wir warten am Hafenmeisterbüro und erledigen, nachdem der Hafenmeister eingetroffen ist, die Formalitäten. Der Empfang ist überaus freundlich, wir bekommen einen Lageplan des Ortes und eine genaue Wegbeschreibung zu einigen Lokalen. Wir würden heute gerne mal wieder richtig gut essen gehen. Der Tipp, zu dem „Griechen“ zu gehen ist Gold wert. Das Essen ist absolute Spitze und die Bedienung sehr nett und freundlich. Da die Portionen wirklich für Erwachsene gedacht sind, ist es gut, dass wir zum Boot ein Stück zu laufen haben. Wir legen uns auch sofort in die Kojen, schließlich wollen wir morgen zeitig los.

Mittwoch, 01.10.2014
   

Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Ich gehe schnell duschen, ein kurzes Frühstück mit Müsli und einer Tasse Kaffee und dann Leinen los. Um halb sieben sind wir unterwegs und erreichen schon nach ca. 4 Kilometern die Schleuse Hüntel. Die Kammer kommt gerade mit einem Berufsschiff zu Tal und wir werden angewiesen, nach dem bereits wartenden Berufsschiff einzufahren um mit diesem zusammen zu schleusen. Super denke ich, das klappt ja gut. Das Tor öffnet sich, der Große fährt aus und als die Ampel grün wird, macht sich der Wartende daran, einzufahren. In gewohnter Art und Weise mache ich mich in gebührendem Abstand ebenfalls zur Einfahrt bereit. Dann nimmt das Drama seinen Lauf. Es vergehen sage und schreibe 35 Minuten, bis das Berufsschiff vor uns endlich in der Kammer ist. Damit nicht genug, der Einfachheit halber wird auch nur die Bugleine benutzt, das Heck pendelt frei hin und her. Als es dann endlich aufwärts geht, schwingt sein Heck so schnell nach Backbord, das der Skipper den Crash mit der Backsteinwand nur durch „volle Kraft“ voraus bei nach Backbord gelegtem Ruder verhindern kann. Für uns wird das recht kritisch, wir habe zwar sowohl Bug- als auch Heckleine liegen, aber wenn so ein Propeller das Wasser im Zick-zack durch die Kammer jagt, entstehen nicht zu unterschätzende Kräfte. Ich funke die Schleuse an und die dann den Skipper vor uns. Er entschuldigt sich und seine Schraube steht. Die Ausfahrt dauert dann auch seine Zeit und die anschließende Geschwindigkeit ist mit 7 km/h nicht berauschend.
   
Da die Schleuse Meppen nur ca. 10 km entfernt ist, lohnt überholen nicht. Wir müssen dann vor der Schleuse sowieso auf das Motorschiff warten, also in Geduld geübt und langsam hinterher getuckert. Bleibt also genug Zeit, die Mühle in Meppen zu bewundern.
   
Hier das gleiche Spiel wie an der Schleuse zuvor. Die kommende Schleuse Varloh ist nur 5 km entfernt und wir fahren wieder hinter dem Motorschiff her. Dort angekommen, das bekannte Schauspiel. Diesmal frage ich über Kanal 10 an, wie schnell er denn nach der Schleuse unterwegs sein wird. „…mit 7 maximal 8 km/h, schneller geht nicht. Aber bis zur Schleuse Gleesen sind es ca. 20 km…an Backbord überholen und dann soviel Vorsprung herausfahren, das du in Gleesen alleine oder mit jemand anderem schleusen kannst…“. Freundlich ist er ja, da kann man nichts sagen. Gesagt, getan. Wir fahren ca. 12 km/h und sind gut eine Stunde vor ihm in Gleesen. Mein Anruf an die Schleuse wird beantwortet, „…die Kammer kommt gerade zu Tal…ein Motorschiff vor euch, da könnt ihr mit…“. Super, wir freuen uns, der Plan geht auf - denken wir. Kurz bevor das Motorschiff einfährt, ruft mich die Schleuse über Funk. „…es hat sich noch ein Motorschiff gemeldet, das geht mit dem Wartenden hoch…ihr dann mit dem nächsten Schleusenvorgang…“. Wir sehen uns an, haben wir uns verrechnet, wie kann der jetzt schon hier sein. Nach ein paar Minuten kommt das Schiff um die Biegung und es ist nicht unser Langsamfahrer sondern ein anderes Berufsschiff, das den auch überholt hat und nun schon hier ist. Die beiden schleusen zusammen und wir warten nun eine Stunde auf den, den wir eigentlich abhängen wollten. Während wir da so an einem Dalben der Berufsschifffahrt liegen, gesellt sich ein weiteres Sportboot zu uns, wie wir an der Aufschrift sehen, ebenfalls mit Heimathafen Duisburg. Wir kommen ins Gespräch und stellen fest, dass wir beide in der Marina Duisburg feste Liegeplätze haben und uns von dort auch kennen. Nach einiger Zeit kommt auch unser „Langsamfahrer“ an der Schleuse an und kann sofort in die Kammer einfahren. Ich warne den anderen Skipper noch kurz, da der, genau wie ich am Anfang, sich schon für die Einfahrt bereit macht. Wieder das Schauspiel, diesmal aber nur 20 Minuten, dann können auch wir rein. Die weiteren Schleusen, Hesselte, Venhaus und Altenrheine, liegen zwischen 4 und 10 km auseinander, so das auch hier überholen nichts bringt. Bedingt durch die Verzögerungen ist es bei der Ausfahrt in Altenrheine schon so spät, das der Segler beschließt nicht weiter zu fahren. Als möglicher Liegeplatz kommt die Zufahrt zur alten Schleusenkammer in Altenrheine in Frage. Leider gibt es dazu aber keine Tiefenangaben und er braucht halt seine 1,6 Meter. Mit hochgefahrenem Motor reichen mir dagegen 50 cm, so fahre ich einmal durch die Liegestelle, um mit dem Sonar die Tiefe zu loten. Nirgendwo weniger als 1,8 Meter, meist 2 Meter und mehr. Ich gebe Bescheid und er kann anlegen. Wir verabschieden uns noch und fahren dann gemächlich zur nächsten Schleuse, Rodde.
           
Die letzte Schleuse für heute wäre Bevergern, vorausgesetzt, wir erreichen diese noch vor Betriebsschluss, es ist mittlerweile schon dunkel. Kurz bevor wir an der Schleuse ankommen, höre ich, wie der „Langsamfahrer“ vor uns sich an der Schleuse anmeldet. Da schon ein Schiff auf Warteposition liegt und er zu lang ist, um dort mitzuschleusen, ist für ihn die Fahrt hier vorerst zu Ende. Ich rufe sofort die Schleuse über Funk um mich anzumelden. „…nur noch einmal hoch, dann ist Schluss…“. Ich schildere ihm kurz unseren Plan noch bis Fuestrup zu fahren. Daraufhin lenkt er ein, „…ok, dann mit dem Berufsschiff…aber zügig…“. Ich bedanke mich artig und wir legen uns auf Warteposition. Das Motorschiff vor uns hat uns bemerkt und fragt, ob wir die sind, die mit ihm hochschleusen werden. Wir bestätigen das. „Dann haltet bitte ein wenig Abstand, ich muss die Maschine umstellen…“. Ich kann mit der Information zwar nicht wirklich etwas anfangen, aber da ich so wie so immer einigen Abstand halte, sage ich zu. Als die Ampel grün wird und ich den Pressluftstoß höre, ist mir schlagartig klar, was gemeint war. Das Motorschiff vor uns hat kein Wendegetriebe und muss den Motor anhalten, vor den Kompressionspunkt drehen und dann mit einem Pressluftstoß wieder anwerfen. So wird über die Drehrichtung des Motors die Drehrichtung der Schraube bestimmt. Das dauert natürlich etwas länger als einfach den Hebel nach hinten zu ziehen, aber der Skipper hat es drauf. Nach 5 Minuten ist er in der Kammer fest und wir 30 Sekunden danach auch. Die Tore gehen zu und wir schleusen das zweite mal bei Nacht. Als wir ausfahren, ist noch alles taghell, da sich rechts und links beleuchtete Liegestellen für die Berufschifffahrt befinden. Danach wird es aber dunkel und zwar richtig dunkel. Gut das ich am Bug den Scheinwerfer montiert habe, der leistet nun sehr gute Dienste. In etwa 3 bis 5 Metern Abstand zum steuerbordseitigem Ufer fahren wir über den Kanal. Hin und wieder wabern dichte Dunstschwaden über dem Wasser und behindern die Sicht sehr. An Hand der Brückenbezeichnungen stellen wir unsere Position fest, wir wollen schließlich nicht an der „alten Fahrt Fuestrup“ vorbeifahren. Um kurz vor 1 Uhr sind wir an der Einfahrt angekommen und laufen langsam in die Marina ein. Wir finden einen freien Platz und machen erleichtert fest. Da wir noch nichts gegessen haben, machen wir uns schnell noch etwas warm, essen und gehen dann in die Koje.

Donnerstag, 02.10.2014
Heute stehen wir erst gegen 7 Uhr auf, wir müssen eh auf den Hafenmeister warten, der um 8 Uhr kommt. Außerdem ist die geplante Strecke bis zum AMC Castrop nicht so lang und es gibt nur eine Schleuse, die in Münster. Also alles ganz in Ruhe, duschen, frühstücken und Müll entsorgen. Die Formalitäten beim Hafenmeister sind schnell erledigt und wir machen danach die Leinen los. Gemächlich geht es nun die 8 km Richtung Schleuse. Ein kurzer Anruf per Funk und wir erhalten die Anweisung am Sportbootanleger zu warten. Dort liegt schon ein anderes Boot. Der Skipper kommt zu uns, um zu fragen, ob wir uns schon angemeldet hätten. Er hat keinen Funk an Bord und die Sprechsäule tut gerade nicht. Ich bejahe und in dem Moment kommt die Meldung von der Schleuse, beide Boote mit in die Steuerbordkammer. Also machen wir los, kurz darauf in der Kammer wieder fest und schon geht’s nach oben. Nach der Ausfahrt geht es gemütlich weiter, keine Schleusen mehr, nur noch Strecke und dazu noch wenig Verkehr.
               
               
Wir fahren in der Mitte des Kanals und unterhalten uns angeregt, als es plötzlich einen gewaltigen Schlag an der Schraube tut und sich der Motor benimmt wie eine Waschmaschine die im Schleudergang unwuchtig ist. Ich gehe sofort in den Leerlauf und überlege fieberhaft, was ich tun kann. Ruder legen nach steuerbord und einmal kurz in den Vorwärtsgang und gleich wieder Leerlauf. Wir treiben nun wie gedacht Richtung Spundwand. Leider fällt der Winkel steiler aus als ich kalkuliert habe, also knapp vor dem Anstoßen Maschine kurz zurück und wieder in den Leerlauf. Dabei merke ich schon, dass der „Fremdkörper“ aus der Schraube wieder raus ist, denn nach zwei Umdrehungen läuft die Schraube wieder rund. Wir machen trotzdem kurz fest und holen den Motor hoch. Die Schraube sieht auf den ersten Blick gut aus, aber dann sehe ich doch das Malheur. Eines der drei Blätter ist an der Spitze leicht gebogen, sonst scheint nichts weiter passiert zu sein. Die Schraube ist frei und sauber, die umgebenden Teile des Unterwasserteils des Motors scheinen auch nichts abbekommen zu haben. Wir fahren also weiter, allerdings sehr vorsichtig. Der Motor beginnt bei 1500 U/Min zu vibrieren, wir lassen es deshalb bei 1400 U/Min. Da beim AMC auch ein Bootsservice beheimatet ist, rufe ich dort an. Es ist schon zu spät, die sind im Feierabend, schließlich ist morgen ein Feiertag. Ok, hatte ich vergessen. Gegen 17 Uhr kommen wir dann beim Automobil- und Motorbootclub Castrop-Rauxel an und finden einen Liegeplatz an der Außenmole, direkt hinter dem „Seebär“, den wir ja schon aus der Schleuse Münster kennen. Ich melde uns beim Hafenmeister an und kann dort noch kurz mit dem Monteur des Bootsservice sprechen. Der steht zufällig im Hafenmeisterbüro. „Wenn ihr vorsichtig fahrt, sollte das bis Duisburg kein Problem sein…“. Das beruhigt mich etwas und so gehen wir entspannt zum Essen. Das ist wirklich gut und die Portionen für hungrige Seebären gedacht. Wir sitzen lange auf der schönen Terrasse, trinken noch etwas und gehen recht spät in die Koje.

Freitag, 03.10.2014
Wir stehen um halb sieben auf und frühstücken. Duschen lassen wir heute ausfallen, ist ja unser letzter Tag, also nur Katzenwäsche. Kurz vor 8 Uhr machen wir die Leinen los und ich melde mich über Funk bei der Schleuse Herne. Ein Berufsschiff ist vor uns, da sollen wir mit (ich habe den „Seebär“ mit avisiert). Während wir warten, kommen noch drei weitere Sportboote, die ebenfalls mit wollen. Kein Problem, wir passen alle mit in die Kammer. Wie gewohnt geht das Schleusen in Herne, wie auch anschließend in Wanne-Eickel und Gelsenkirchen, problemlos von statten.
Wie man sieht, kommt man auch ohne Boot voran.
   
Das "Amphitheater" Gelsenkirchen, bisher habe ich das nur von Land gesehen.
           
Heute ist ein Feiertag und es liegt eine Meldung für den Kanal vor:
„Wegen einer Drachenboot-Regatta ist der Rhein-Herne-Kanal von km 7,00 bis km 12,5 am Freitag, den 3.Oktober 2014 in der Zeit von 9:00Uhr bis 13:00Uhr und von 14:00Uhr bis 17:30Uhr für die Schifffahrt gesperrt.“
Wir richten unsere Fahrt also so ein, dass wir kurz vor 13 Uhr an km 12,5 ankommen. Die Sperrung wird gerade aufgehoben und der Stau der Berufsschiffe abgebaut. Trotz der großen Zahl an Schiffen, kommen wir gut durch die Schleusen Oberhausen und Meiderich. Auf Grund der beschädigten Schraube, fahre ich auch auf dem Rhein nur mit 1800 U/Min, etwas ungewohnt. Aber schließlich kommen wir in der Marina Duisburg an. Wir packen unsere Sachen zusammen und meine Frau holt uns ab. Ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein.

Nachtrag:
Die Fahrt von Duisburg bis Harlesiel (siehe Reisebericht dort) über den Mittellandkanal, die Weser, das Fedderwarder Fahrwasser/Hohewegrinne und durch das Seegat Harle Anfang April war ca. 545 km, diese Tour zurück über Wilhelmshaven, den Ems-Jade-Kanal und die Ems war ca. 445 km lang.
Allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
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