Törn Emmerich – Arnheim – ARK – Uetrecht – Amsterdam – Flevoland ... Emmerich
#1
Der Törn:

Emmerich - Arnheim - Utrecht - Weesp - Amsterdam - Flevoland (Hooge Vaart) - Ketelhaven - Ketelmeer - Meppel - Assen - Groningen - Zuidlaardermeer - Stadskanaal - HRK - Ems/DEK - RHK - Rhein - Emmerich

Die Tour als GPS-Track

Mittwoch, 29.06.2016
Kurz nach 7 Uhr fahre ich mit dem PKW los, meinen Mitfahrer für die ersten vier Tage abholen. Um 7:30 Uhr sind Dieter und ich dann unterwegs nach Emmerich und kommen dort gegen 9 Uhr an. Da ich am vergangenen Sonntag bereits alles Notwendige an Bord gebracht hatte, müssen wir nur noch unsere persönlichen Dinge verstauen. Ich gebe Dieter noch eine kurze Einweisung über seine Aufgaben bei den zu erwartenden Schleusungen, dann machen wir die Leinen los. Der Rhein führt viel Wasser, was uns vermuten lässt, das die Wehre an den Schleusen Driel, Amerongen und Hagestein offen stehen, so das wir nicht durch die Schleuse fahren müssen. Ich hatte in den Scheepvaartberichten, die ich regelmäßig per Mail bekomme, gelesen, das an dem Visier des Wehrs in Amerongen gearbeitet wird und deshalb grundsätzlich die Schleuse zu nutzen ist. So wird das die erste Schleuse sein, die Dieter und ich gemeinsam meistern werden. Als wir auf die Anlage Driel zufahren, ist schon von weitem zu sehen, das die Visiere offen stehen und wir hindurchfahren können. Das wir außerdem durch den Richtungspfeil, weiß auf blauem Grund, an der Zufahrt zum Schleusenvorhof angezeigt.
             

Diese jeweils etwa 200 Tonnen schweren und 9,50 Meter hohen Visiere sind schon beeindruckende Bauwerke.
                   

Wie schon vermutet, ist das Visier in Amerongen zwar auch offen, wir müssen aber trotzdem durch die Schleuse. Ich melde mich über Funk an, die Schleuse kommt zurück mit der Anweisung auf ein Berufsschiff zu warten, mit dem wir dann als Fahrzeug Nummer zwei zu Tal schleusen können. Der Dicke kommt auch schon um die Ecke in den Schleusenvorhof, so das wir zügig weiter kommen. Obwohl das für Dieter die erste Schleuse ist, passt alles auf Anhieb. Nach wenigen Zentimetern Fall, können wir auch schon wieder ausfahren.
Da die Visiere sicher auch in Hagestein offen sein werden, beschließe ich, weiter auf dem Nederrijn zu bleiben und über den Lekkanaal durch die Prinses Beatrixsluis auf den Amsterdam-Rijn-Kanaal zu fahren. Die Prinses Beatrixsluis ist schon ein imposantes Bauwerk, der Wartebereich ist riesig und es herrscht starker Berufsverkehr.
   

Wie gewohnt, melde ich mich über Funk an und bekomme die Ansage, als Fahrzeug Nummer zwei in die backbordseitige Kammer einzufahren. "Die Kammer ist mit Fahrzeugen auf dem Weg nach oben" wird uns noch mitgeteilt. Als das Tor aufgeht, fährt ein Motorschiff aus, danach noch eins und noch eins. Als auch noch ein viertes Schiff ausfährt, wird uns die Dimension der Kammer bewusst - und wir sind Fahrzeug Nummer zwei bei der Schleusung? Der Dicke vor uns fährt ein und ich folge ihm weisungsgemäß. Über Funk frage ich nach, ob ich bis nach vorne neben den Großen durchlaufen soll, "ja, es kommen noch zwei Fahrzeuge" ist die Antwort. Als nach uns dann noch so ein Dicker in die Schleuse einfährt, ist das schon ein komisches Gefühl.
   

Aber hier in den Niederlanden ist das normal und ich vertraue darauf, das alle wissen was sie tun. Das Schleusen klappt problemlos und für die Ausfahrt stimme ich mich kurz mit dem Schiff neben mir ab - wir fahren zuerst.
Es geht noch ein kurzes Stück auf dem Lekkanaal, bevor wir nach backbord auf den Amsterdam-Rijn-Kanaal einbiegen. Nach gut einem Kilometer geht es nach steuerbord in den Merwedekanaal benoorden de Lek. Da wir dort sofort durch die Noordersluis müssen, rufe ich rechtzeitig an, um uns anzumelden. Im Vorhof der Schleuse steht ein ganz beträchtlicher Schwell, da der Amsterdam-Rijn-Kanaal ja direkt daran vorbei läuft. Wir müssen aber nicht lange warten und können in die westliche, kleine Kammer einfahren. Der Schleusenwärter kommt, nachdem er den Schleusenvorgang gestartet hat, zu uns ans Boot und unterhält sich nett mit uns. Als er hört, das unser heutiges Ziel Catharijnesingel ist, holt er aus seinem "Häuschen" einen kleinen Stadtführer und Faltplan von Utrecht. Wie im letzten Jahr, bin ich von dem Service und der Freundlichkeit der Niederländer begeistert. Er gibt uns noch die Information, das die nächste Brücke erst wieder in 30 Minuten öffnet und wünscht uns zur Ausfahrt noch eine schöne Reise. Wir legen steuerbord an um die Brückenöffnung abzuwarten und können wie angekündigt nach knapp 30 Minuten weiter fahren. Die kommenden Brücken öffnen auf Abstand, so das wir nirgendwo mehr aufstoppen müssen. Als wir in den Catharijnesingel einfahren, sind wir überrascht, wie voll es hier schon ist. Wir laufen fast bis zum Ende durch und finden einen wunderschönen Liegeplatz unter alten Bäumen. Der Platz hat zudem den Vorteil, nahe an den Sanitäranlagen zu sein, diese befinden sich unter der Brücke. Nicht das wir lauffaul wären, aber es regnet inzwischen doch beträchtlich. Die Liegegebühren werden, wie beim PKW, an einem "Parkautomaten" bezahlt.
   

Nachdem wir alles gerichtet und Stuppi ordentlich fest gemacht haben, machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Dabei laufen wir an der Oudegracht entlang, die wir morgen früh mit dem Boot durchfahren wollen. Wir gehen im "Winkel van Sinkel" essen. Auf dem Rückweg zum Boot kehren wir noch in einer Kneipe ein. Da es aufgehört hat zu regnen, sitzen wir draußen und trinken ein paar Bierchen. Zurück auf dem Boot gehen wir nach diesem recht anstrengenden Tag alsbald in die Kojen.

Donnerstag, 30.06.2016
Die Nacht hier im Catharijnesingel war sehr ruhig und angenehm. Es hat die Nacht zwar geregnet, aber durch die hohen Bäume hat das nicht gestört. Als wir aufstehen, regnet es noch immer, eigentlich schade, wollen wir doch gleich durch die Oudegracht von Utrecht fahren. Nach der Morgentoilette, dem Müsli und einer Tasse Kaffee machen wir um 8 Uhr die Leinen los. Inzwischen hat der Regen auch etwas nachgelassen. Ich hatte von Anfang an geplant, so abzulegen, das wir vor 9 Uhr an der Weerdsluis am anderen Ende der Oudegracht ankommen. Die Schleuse hat erst um 9 Uhr Betriebsbeginn, so das ich davon ausgehe, keinen Gegenverkehr in der schmalen Gracht zu haben. Um es vorweg zu nehmen, der Plan ging auf. Die kleine Actionkamera habe ich für diese Fahrt auf der Reling steuerbord installiert, hier das Video (incl. der Brückennamen).

Die Fahrt ist wunderschön und wesentlich einfacher als ich gedacht hatte. In der tief zwischen den Häusern gelegenen Oudegracht geht so gut wie kein Wind, so das sich Stuppi gut und präzise steuern lässt. Als Vollgleiter würde sie sich vom Wind doch recht leicht aus der Spur bringen lassen.
Nachdem wir die Weerdsluis passiert haben, fahren wir auf der Vecht zu unserem heutigen Ziel Weesp. Dieser Teil der Fahrt führt uns durch Ortschaften, vorbei an wunderschönen Anwesen und an den in den Niederlanden weit verbreiteten Hausbooten. Hier ein paar Impressionen dieser Fahrt.
                                                       


In Weesp finden wir beim WSV de Vecht noch einen Platz außen an den Stegen und machen das Boot fest.
       

Die Hafenmeisterin begrüßt uns herzlich und nachdem ich die notwendigen Formalitäten erledigt habe, machen wir uns auf den Weg in die Stadt.
   

Nach einem ausgiebigen Rundgang kehren wir in einem netten Restaurant ein und essen lecker zu Abend. Nachdem wir wieder am Boot angekommen sind, unterhalten wir uns noch ein Zeit und gehen dann in die Kojen.

Freitag, 01.07.2016
Wir machen uns gegen 9 Uhr auf den Weg nach Amsterdam. Direkt nach dem wir abgelegt haben, muss auch schon die erste Brücke für uns geöffnet werden, was auch nach kurzer Zeit geschieht. Die nächste Brücke wäre mit ihren 3,70 m auch geschlossen für uns passierbar, ist aber wegen des vor uns durchfahrenden Seglers geöffnet. Als Eisenbahnbrücke macht sie einen gewaltigen Eindruck.
               

Kurz vor Muiden halten wir uns backbord und gehen in die offen stehende Schleuse zur Singelgracht. Durchfahren können wir trotzdem nicht, da eine Fußgängerbrücke darüber liegt, die für uns zu niedrig ist. Ich gehe von Bord und rufe die an dem Brückenwärterhäuschen angeschlagene Telefonnummer an. "Sie wollen durch? In Ordnung, ich bin in ca. 10 Minuten da." ist die Antwort. Pünktlich erscheint die Brückenwärterin und öffnet uns diese und die nächste Brücke. Der Kanal ist sehr schmal und nach der zweiten Brücke muss ich fast rechtwinkelig nach backbord abdrehen, aber es klappt alles problemlos. Ab hier heißt der Kanal nun Muidertrekvaart. Die Trauerweiden wachsen hier so weit über den Kanal, das man um das Geäst herumfahren muss. Wir sind so beeindruckt, das wir glatt vergessen, Fotos zu machen.
Nach wenigen Kilometern mündet der Kanal in den Amsterdam-Rijn-Kanaal, dem wir in Richtung Amsterdam folgen. Nach knapp sieben Kilometern treffen wir westlich der Oranjezluisen auf Het Ij und fallen nach backbord Richtung Westen ab. Wir durchqueren nun bei Regen und relativ schlechter Sicht den Hafen von Amsterdam. Der Verkehr hier ist enorm, große Frachtschiffe, Flusskreuzfahrtschiffe, unzählige Fähren, seegehende Kreuzfahrtschiffe und viele Ver- und Entsorgungsschiffe navigieren hier auf engstem Raum.
           

Wir halten uns so weit es geht steuerbord außerhalb des Hauptfahrwassers. Nach einiger Zeit passieren wir den Sixhaven, der aber nicht unser heutiges Ziel ist. Wir wollen in die neue Marina Amsterdam, die noch etwa einen Kilometer weiter Richtung Westen liegt. Ich hatte mir vorher den Hafenplan aus dem Internet heruntergeladen und kann sowohl die Einfahrt als auch den Steg für Boote unserer Größe schnell ausmachen. Eine Ehrenrunde durch den Vorhafen um die Fender auszubringen und dann geht es ab in die Box. Da der Wind genau von vorne bläst, klappt das Anlegen auf Anhieb. Alle Leinen fest, die Fender noch einmal nachjustiert, Strom angeschlossen und wir sind angekommen.
   

Nachdem ich die Formalitäten erledigt habe, machen wir uns stadtfein und nutzen eine der kostenlosen Fähren, die uns in knapp 15 Minuten zum Hauptbahnhof bringt. Es regnet zwar noch etwas aber uns stört das nicht weiter. Die erste Anlaufstelle ist das Touristeninformationsbüro direkt am Bahnhof. Hier bekommen wir die nötigen Informationen, um diesen und den kommenden Tag möglichst effizient zu gestalten.
   

Wir entschließen uns zu einer Rundfahrt durch die Grachten von Amsterdam, dabei stört auch der leichte Regen nicht.
   

Nach dem Ende der Rundfahrt, suchen wir uns ein nettes Lokal und gehen etwas essen. Mit der Fähre geht es zurück zur Marina. Dort genehmigen wir uns noch ein Bierchen im Loetje, dem Lokal der Marina. Dann machen wir uns auf den Weg in die Kojen.

Samstag, 02.07.2016
Dieser Tag ist gedacht, um uns Amsterdam ein wenig anzusehen.
Die Marina ist sehr komfortabel, sauber und bietet jeden erdenklichen Service. Aber der Reihe nach, erst einmal Frühstück mit Müsli und Kaffee, danach duschen.
                   

Wie am Vortag nutzen wir eine der kostenlosen Fähren, die uns von der Marina zum Hauptbahnhof bringt. Auf der Überfahrt mache ich einige Fotos von der sehr abwechslungsreichen Architektur.
               

Wie am Vortag beschließen wir wieder eine Grachtenfahrt zu machen. Es gibt mehrere Routen und heute ist die große an der Reihe, diesmal bei schönem Wetter mit recht viel Sonnenschein. Nach der Tour essen und trinken wir erst einmal etwas und fahren dann mit dem Bus noch einmal durch die Stadt. Anschließend erkunden wir die für uns interessantesten Plätze zu Fuß. Fotos von Amsterdam gibt es sicher genug, deshalb hier nur einige wenige von diesem Tag.
                                   

Gegen Abend machen wir uns per Fähre wieder auf den Weg zur Marina. Heute wollen wir in dem Lokal Loetje zu Abend essen. Man kann keinen Platz reservieren, bekommt aber eine Visitenkarte mit einer Nummer, mit der man an der Bar schon mal Getränke zu sich nehmen kann. Diese stehen, nachdem man gegessen hat, mit auf der Gesamtrechnung. Wir möchten aber nicht an der Bar warten und bekommen deshalb zusätzlich einen Pager, der summt, wenn unser Tisch frei wird. Man hat dann 10 Minuten Zeit im Lokal zu erscheinen. Wir gehen zum Boot, machen uns ein wenig frisch und gehen dann wieder Richtung Lokal. Auf dem Weg dorthin summt der Pager, perfektes Timing. Die Karte ist übersichtlich aber fein, ich entscheide mich für Biefstuk ossenhaas 'De Roode Waard'. Ehrlich, ich habe selten ein so gutes Entrecôte gegessen, auf den Punkt gebraten, fein gewürzt und heiß serviert. Nach dem Essen setzen wir uns noch ein wenig auf die Terrasse und schauen dem Treiben auf dem Wasser zu. Wie meist gegen Abend, machen sich die Kreuzfahrtschiffe auf den Weg zur See und fahren gemütlich an uns vorbei.
       

Sonntag, 03.07.2016
Der Tag beginnt früh um 6:30 Uhr. Dieter fährt heute wie geplant von hier aus mit dem Zug zurück. Also ein letztes mal zusammen Frühstück und dann heißt es Abschied nehmen, schade.
           

Ok, von nun an bin ich wieder "Einhand" unterwegs. Das Ablegemanöver geht leicht von der Hand, da so gut wie kein Wind weht. In dem riesigen Vorhafen richte ich die Fender und ordne die Leinen, ich muss ja heute morgen noch durch die Oranjesluizen, dann geht es raus in den Verkehr. Wie ich sehe, ist gestern Abend nicht nur ein Kreuzfahrtschiff abgefahren, sondern ein anderes auch angekommen.
       

Nach der Oranjesluis geht es raus aufs Markermeer, in der Ferne sieht man Pampus.
   

Auf dem Markermeer kann ich nun endlich mal wieder ein wenig schneller fahren, als es auf den Kanälen und Flüssen erlaubt ist. Hier natürlich keine Fotos, aber ein kurzes Handyvideo.

(sorry wegen der Wackelei, soll ja auch nur einen Eindruck vermitteln)

Es dauert auch nicht lange und ich fahre in den Vorhafen "Blocq van Kuffeler" ein. Hier richte ich wieder meine Fender und melde mich zuerst über Funk an der Zuidersluis an. "Bitte den Meldeknopf betätigen, dann sind sie bei uns im System". Ich brauche einen Moment, bis ich den besagten Meldeknopf an der steuerbordseitigen Dalbenanlage entdecke. Ich gehe längsseits und drücke mit dem Bootshaken den Knopf. Kurz darauf wird die Schleuse betätigt und ich kann einfahren. Aus der Literatur weiß ich, das ich zu Tal schleuse und zwar um ca. 6 Meter. Der Vorgang geht ruhig und stressfrei von statten und nach wenigen Minuten kann ich in die Hoge Vaart ausfahren. Die Fahrt führt durch eine sehr grüne Landschaft mit meist Schilf bewachsenen Ufern. Die parallel verlaufenden Straßen sind von hohen Alleebäumen gesäumt, alles in allem eine ruhige und entspannte Etappe. Der einsetzende Regen stört mich im Augenblick nicht, da ich bis zur Ketelsluis nicht mehr nach draußen muss.
       

Um 17 Uhr, es hat inzwischen aufgehört zu regnen, drücke ich den Meldeknopf an der Ketelsluis und warte auf die Schleusenöffnung. Nach geraumer Zeit ist die Kammer mit zwei Sportbooten unten und ich kann nach deren Ausfahrt einfahren. Kurz darauf bin ich ca. 6 Meter höher und lege direkt nach der Schleuse im InterHarbours Dronten an.
       

Der Hafenmeister ist anwesend und ich kann die Formalitäten direkt erledigen. Ich erkundige mich noch, wie ich morgen am besten nach Schokkerstrand fahren sollte. Er macht den Vorschlag, durch die künstliche Insel Ijsseloog zu fahren, "...das ist viel interessanter als einfach über das offene Wasser zu fahren...". Hier der Teil aus meinem GPS-Track:
   

Am Hafen gibt es ein schönes Restaurant, in dem ich heute zu Abend esse. Danach trinke ich noch ein Bier und gehe in die Koje.
       

Montag, 04.07.2016
Ich stehe um 7 Uhr auf, gehe duschen, esse mein Müsli und trinke meinen Kaffee. Die Sanitäranlagen hier sind geräumig und sehr sauber, zum duschen 50 Cent-Stücke mitnehmen. Bevor ich die Leinen losmache, fülle ich die "Drückkanne" mit schwarzem Tee, so habe ich auf der Fahrt auch mal ein warmes Getränk. Wie geplant fahre ich durch die Insel über das Ketelmeer, Ramsdiep, Zwarte-Water und Meppelerdiep nach Meppel. Dort mache ich im Passantenhaven fest und bezahle im Hafenmeisterbüro mein Liegegeld.
       

Dann mache ich mich auf, den Ort ein wenig zu erkunden.
               

Nach dem Abendessen gehe ich zurück zum Boot und bin auch kurz danach in der Koje.
   

Dienstag, 05.07.2016
Um 7 Uhr stehe ich auf und mache mir mein Frühstück. Die Dusche lasse ich heute einmal ausfallen, die Sanitäranlagen sind nicht so berauschend, also nur Katzenwäsche an Bord. Dann kommt die erste Herausforderung des Tages, ablegen und durch die Dalben raus auf den Kanal. Ich überlege mir erst einmal den genauen Ablauf. Ich bin alleine und auf den anderen Booten ist noch niemand an Deck. Beim rückwärts ausparken mit der backbordseitigen Reling leicht an den hölzernen Dalben angestoßen, sonst ist alles glatt gelaufen. Nach hundert Metern habe ich schon die erste bewegliche Brücke erreicht, die nach kurzer Wartezeit geöffnet wird. Die nächste Brücke wird auf Abstand bedient und ich muss auch hier nicht wirklich warten. Gegen 8:30 Uhr erreiche ich die Paradijssluis und gehe steuerbord an die Mauer um auf den Dienstbeginn um 9 Uhr zu warten.
       

Gegenüber befindet sich übrigens das Restaurant "Drie Kalkovens".
   

Nachdem ich in die Schleuse eingefahren bin, der Schleusenwärter die Tore hinter mir geschlossen und in den vorderen Toren die Wehre geöffnet hat, kommt er mit einer ausführlichen Informationsmappe zu mir ans Boot. Diese Mappe ist ein Service um den Touristen alle nötigen Informationen zum Fahrgebiet Drenthe an die Hand zu geben. Auch hier mal wieder, Hut ab vor dem Service der Niederländer. Die weitere Fahrt verläuft problemlos und unkompliziert, einzig der auffrischende Wind macht sich beim Schleusen unangenehm bemerkbar. Da ich aber in den Schleusen alleine unterwegs bin, ist zum navigieren Platz genug. Ich rufe rechtzeitig bei der Gemeinde in Assen an, um sicher zu gehen, das die beiden Brücken in die "De Vaart" für mich geöffnet werden. Es dauert geraume Zeit, bis ich durchkomme, aber dann ist alles kein Problem. Ich kündige mich für 16:30 Uhr an und erhalte ein OK. Die erste Brücke erreiche ich fast auf die Minute und sie wird auch gleich geöffnet. Ich bin darüber sehr froh, der Wind ist mittlerweile schon sehr heftig. Die nächste Brücke auf Abstand, also auch keine Wartezeit. Nun ist "De Vaart" ein langer Schlauch, an deren Ende ein kleines rechteckiges Hafenbecken liegt in dem man dreht um dann an der Steuerbordseite an der Kade anzulegen. In dem Becken liegt aber eine großes Pfannkuchenschiff, so das das Hafenbecken nicht breiter ist als der Schlauch vorher auch. Durch den Wind bekomme ich Stuppi nicht gedreht, die 150 PS reichen in Fahrt achteraus nicht um gegen den Wind anzukommen. So lasse ich den Bug vorsichtig gegen das Pfannkuchenschiff stoßen um mich dann mit Fahrt voraus bei nach backbord gelegtem Ruder mit den Fendern am Pfannkuchenschiff abzustützen. Ein zusätzlicher Schubs mit dem Bootshaken und ich bin endlich rum. Ich laufe an den Booten entlang bis nach vorne zum ersten freien Liegeplatz und werde dort von einem freundlichen Herrn angenommen. Da der Wind jetzt von vorne kommt, ist das Manöver problemlos. Ich mache Stuppi ordentlich fest, schließe den Strom an und bin froh heile angekommen zu sein. Da der Hafenmeister nicht mehr anwesend ist, muss ich das Liegegeld morgen bezahlen.
       

Trotz des drohenden Regens mache ich mich auf, den Ort zu erkunden. Außerdem habe ich Hunger, es ist mittlerweile auch schon 19 Uhr durch. Ein kleines indisches Restaurant, "New Delhi", findet mein Interesse. Das Essen dort ist ausgezeichnet und vor allem authentisch. Zurück auf dem Boot räume ich noch ein wenig auf, mache ein Backup meiner GPS-Tracks und gehe dann schlafen.

Mittwoch, 06.07.2016
Ich muss heute auf den Hafenmeister warten, da ich mein Liegegeld noch bezahlen muss. Deshalb stehe ich später auf als sonst. Nachdem alles erledigt ist, kläre ich, wann die Brücken aus der "De Vaart" geöffnet werden. Ich beschließe, mit der Öffnung um 10 Uhr Assen zu verlassen. Wie man sieht, ist das Wetter auch besser geworden.
   

Pünktlich wird die Brücke geöffnet und es geht los. Nach den beiden Brücken in der "De Vaart" geht es nach steuerbord und direkt durch die nächste bewegliche Brücke. Ich bin froh, das nur eines der vielen Boote, die heute mit mir den Hafen von Assen verlassen, in meine Richtung fährt. Denn direkt nach dieser Brücke folgt eine Zweite, die vom selben Brückenwärter bedient wird. Der schließt erst einmal die Brücke hinter mir und fährt dann mit dem Rad zur nächsten Brücke um diese zu öffnen. Während der Wartezeit bin ich auf engem Raum eingesperrt und muss das Boot in der Mitte des Kanals halten. Mit uns Zweien kein Problem, aber wenn hier 5 oder mehr Boote warten müssen, wird es doch recht eng. Wir fahren weiter bis zur Schleuse Peelo. Hier müssen wir an den Wartesteg, da die Kammer gerade unten ist und dann mit Sportbooten nach oben kommt. Ich nutze die Gelegenheit, den Skipper der Yacht vor mir zu fragen, ob es ihm etwas ausmachen würde, in der Schleuse an die backbord Seite zu gehen, da ich alleine bin und es für mich steuerbord einfacher ist. Der nette Engländer hat damit überhaupt kein Problem und als wir kurze Zeit später in die Kammer fahren klappt alles perfekt. Auf der weiteren Fahrt bleibe ich hinter ihm und es geht ohne Wartezeit durch die nächsten beweglichen Brücken. Vor der Vriesebrug müssen wir aber an die Kade, Mittagszeit. Ich unterhalte mich noch nett mit dem Skipper der Yacht, der aus London stammt. Bei meiner Kontrolle der Technik an Bord bin ich verwundert darüber, das die Tankanzeige immer noch auf "halb voll" steht. Eigentlich sollte ich schon mehr Sprit verbraucht haben. Also die Bodenluke hoch und am Tank selbst geschaut. Ein Schreck, der Tank ist fast leer, bis zum Zuidlaardermeer komme ich damit auf gar keinen Fall. Da ich ja eh fest gemacht habe, gehe ich vor zur Straße und frage im gegenüber liegenden Restaurant nach einer Tankstelle. "...ja, etwa 15 Minuten zu Fuß von hier gibt es eine Tankstelle...". Perfekt, ich hole meine beiden Kanister und meine kleine Klappkarre vom Boot und mache mich auf den Weg. Richtig gefüllt bekomme ich zusammen 50 Liter in die Kanister. Der Tankwart hat mitbekommen, das ich zu Fuß bin und fragt mich wo ich hin will. Kurz gesagt, ich werde zu der Brücke gefahren, wirklich sehr nette Leute. Die Yacht des Engländers ist inzwischen weiter gefahren. Nachdem ich nun wieder genug Benzin habe, mache auch ich mich wieder auf den Weg. In die nächste Schleuse "Vries", kann ich sofort einfahren. Allerdings geht das Tor hinter mir nicht zu und ich überlege kurz, ob das eine Selbstbedienungsschleuse ist. Nein, sie wird fernbedient und der Grund für die Verzögerung kommt auch schon um die Ecke. Ein weiteres Sportboot soll noch mit. Die nächsten Brücken und Schleusen fahren wir gemeinsam. Am Paterswoldsemeer geht das Boot hinter mir backbord an den Anleger und ich fahre bis zur "v. Ketwich-Verschuurbrug" alleine weiter. Es ist 16:15 Uhr und auf dem Schild an der Brücke steht "...keine Bedienung von 16 Uhr bis 17:30 Uhr...". Pech gehabt, dann also an den Wartesteg, Motor aus und Beine hoch. Ich melde mich aber schon mal per Funk an und hier wird mir noch einmal bestätigt, "...es geht um 17:30 Uhr weiter...". Als die Zeit gekommen ist, überlege ich kurz, ob ich mich noch einmal per Funk bemerkbar machen soll. Nicht nötig, der Zeiger springt auf die 30 und ich höre schon das typische "bim...bim...bim..." der Schranken vor der Brücke wenn diese schließen. Die Brücke öffnet und ich kann weiter. Die weiteren Brücken werden fernbedient und ich muss erst wieder vor der Eisenbahnbrücke Groningen warten. Hier ist es so, das der halbe Hauptbahnhof hochgeklappt werden muss, um mich durch zu lassen. Nach ca. 15 Minuten ist eine Lücke im Zugverkehr gefunden und los geht es. Ich nehme die Actionkamera in die Hand um einen Eindruck von dem Aufwand festzuhalten.
Die weiteren Brücken in Groningen sind für mich auch geschlossen hoch genug, so das ich bis zur Euvelgunnerbrug im Winschoterdiep durchfahren kann. Hier melde ich mich über Funk und bekomme die Info "...wenn die Seefahrt durch ist kannst Du durchfahren...". Das Wort Seefahrt hat hier durchaus eine doppelte Bedeutung, erstens, das Schiff das mir entgegen kommt, fährt Richtung See und zweitens ist es ein ausgewachsenes Seeschiff. Ok, nachdem die Fahrt frei ist, fahre ich durch. Die Öffnung der nächsten beiden Brücken wird eingeleitet, sobald ich mich ihnen nähere, Videoüberwachung sei Dank. Noch ein kleines Stück auf dem Winschoterdiep und ich biege nach steuerbord in das Drentsche Diep ab. Es geht durch den Wald, vorbei an schilfbewachsenen Ufern, über Wiesen und schließlich komme ich auf das Zuidlaardermeer. Hier behalte ich die Tonnen gut im Auge, da die Wassertiefe außerhalb des Tonnenstriches stellenweise nur 30 cm beträgt. Ich identifiziere die richtige grün/rote Tonne und drehe nach Osten um in den Jachthaven Allround Watersport zu fahren. Hier finde ich einen schönen Platz in einer Box mit Seitensteg und mache dort fest.
           

Das war heute eine lange Fahrt, es ist jetzt kurz vor 20 Uhr. Ich habe keine Lust mehr, irgendwo hinzugehen um etwas zu essen, also mache ich mir an Bord etwas warm. Das geht auch mal. 
   

Nach dem Essen schaue ich mich noch ein wenig im Hafen um und gehe dann wirklich müde in die Koje.

Donnerstag, 07.07.2016
Um 7:30 Uhr stehe ich auf und mache mir mein Frühstück, Müsli und Tee. Der Hafenmeister ist schon um 8:30 Uhr vor Ort und ich kann die Formalitäten erledigen. Anschließend wird erst einmal ausgiebig geduscht. Die Sanitäranlagen sind vorbildlich, zum duschen benötigt man spezielle Münzen, die man bei der Anmeldung kaufen kann. Dann heißt es, Leinen los, langsam raus aus der Box und aus dem Hafen. Die Marina hat in der Zufahrt eine Tankstelle für Diesel und Benzin und ich nutze die Gelegenheit um Stuppi voll zu tanken. Zahlen kann man nur bar oder mit EC-Card/PIN, keine Kreditkarten. Zusätzlich fülle ich auch einen der Kanister, sicher ist sicher. Nun geht es wieder auf das Zuidlaardermeer, bis zu der grün/roten Tonne von gestern und von dort im Fahrwasser Richtung Süden. Auch diesmal die richtige grün/rote Tonne suchen um wieder nach Osten zu laufen. Der Ausgang ins Leinewijk ist sehr versteckt und es ist nur meinem Plotter und der Karte zu danken, das ich den auch wirklich finde. Der Kanal ist wirklich winzig und so etwas von niedlich, kaum zu fassen.

Kurz nach der Einfahrt, steht eine bewegliche Brücke, an der man sich für die begleitete Fahrt melden muss. Ich gehe also an den Anleger, aber bevor ich festmachen kann kommt einer der Brückenwärter mit seinem Scooter zu mir gefahren und fragt, ob ich durch den Kanal möchte. Als ich bejahe, macht er sich daran, die Brücke zu öffnen und ich kann sofort weiter fahren. Es geht durch ein paar bewegliche Brücken und eine Schleuse. Hier macht mich der Brückenwärter darauf aufmerksam, das direkt hinter der übernächsten Brücke der Kanal mehr als 90 Grad nach steuerbord abzweigt. Ich bin also gewarnt und habe deshalb kein Problem um die Ecke zu kommen. Ab hier ist der Kanal zwar etwas breiter, hat aber häufig in der Nähe der Ufer eine ausgeprägte Flora im Wasser. Es ist also ratsam darum herum zu fahren. Auf der weiteren Fahrt sind über 30 Brücken für mich zu öffnen und noch eine Schleuse zu bewältigen, dann biege ich in den Stadskanaal ein. Einige Brücken und zwei Schleusen später mache in Stadskanaal unmittelbar vor der Eurobrug am Passantensteiger fest. Mit den Leuten, die für mich die Brücken und Schleusen bedient haben und die mir noch beim Anlegen helfen, komme ich ins Gespräch. Dabei erfahre ich, das einer von ihnen abends noch in einer Kneipe in der Nähe arbeitet, ich verspreche auf ein Bier vorbei zu kommen.
       

Aber nun geht es erst einmal in die Stadt auf einen Kaffee und Apfelkuchen. Als ich über die Eurobrug gehe, mache ich noch schnell ein Foto von dem "netten" Herrn, der dort am Rand des Kanals steht. Der spuckt in Abständen immer mal wieder einen Wasserstrahl in den Kanal, weshalb es keine schlechte Idee ist, bei der Vorbeifahrt auf dieser Seite die Luken und Fenster im Boot geschlossen zu halten.
   

Im Zentrum laufen die Vorbereitungen für ein großes Fest, das ab morgen bis Sonntag hier stattfindet. Auch das niederländische Militär ist anwesend.
   

Als ich zurück an Bord bin, kommt der Hafenmeister um mir den Schlüssel für die Sanitäranlagen vorbei zu bringen. Auch wenn ich mich wiederhole, Respekt vor dem wirklich erstklassigen Service in den Niederlanden. Wie versprochen gehe ich in der besagten Kneipe ein Bier trinken und anschließend bei einem Italiener essen. Als ich in die Koje gehe, ist es schon recht spät.
   

Freitag, 08.07.2016
Um 7:30 Uhr geht mein Wecker, ich stehe auf, mache heute nur Katzenwäsche und esse mein Müsli. Die Abfahrt heute ist für 9 Uhr geplant, wobei ich mich schon gestern Abend mit dem anderen Boot das auch um 9 Uhr los will abgesprochen habe. Ich darf zuerst und an steuerbord in die Schleusen, da ich ja alleine unterwegs bin. Die Leute sind wirklich sehr nett. Um halb neun kommt der Hafenmeister vorbei um den Schlüssel wieder abzuholen. "Die Schleuse möchte, das ihr schon um viertel vor neun schleust, da wegen des Festes ab 10 Uhr bis heute Abend nichts mehr geht." Für mich und für das andere Boot kein Problem und so stehen wir 8:40 Uhr vor der Eurobrug und 5 Minuten später vor der Schleuse und es geht auch prompt los. Die nächsten Brücken und die 4 Schleusen sind völlig problemlos. In Ter Apel biegt das Boot hinter mir in den Yachthafen ab. Wie im letzten Jahr bin ich ab hier wieder das einzige Boot auf dem Wasser und verbringe die Mittagspause von 12 bis 13 Uhr in der Kammer der letzten Schleuse auf niederländischem Staatsgebiet.
       

Nachdem der Schleusenwärter aus der Pause zurück ist, geht es zügig nach oben und durch die nächsten Brücken. Die letzte Brücke in den Niederlanden ist Barnflair, danach bin ich auf dem Haren-Rütenbrock-Kanal.

Hier ein kleines  Video der Durchfahrt...


...und dem anschließenden "Grenzübertritt".


Ich fahre auf die erste bewegliche Brücke zu und es fängt an zu regnen. Komisch finde ich, das das Lichtsignal grün zeigt, obwohl die Brücke geschlossen ist. Ich stoppe erst einmal auf und gehe an den Wartesteg. Ich bin zwar von den Niederländern vorgemeldet worden, aber ich drücke doch vorsichtshalber den Anforderungsknopf. Es tut sich geraume Zeit nichts, deshalb rufe ich auf der Leitstelle in Haren an. "...Licht ist grün? Ok, ich starte die Brückenöffnung noch einmal...". Kurz darauf schließen die Schranken und die Brücke schwenkt auf. Nachdem ich durch bin und die Brücke hinter mir schon längst wieder geschlossen ist, zeigt das Licht noch immer grün. Ich komme an der nächsten Brücke an und verringere meine Geschwindigkeit. Die Brücken und Schleusen werden von Haren fernbedient und wenn die einen auf dem Monitor kommen sehen, wird die Brücke geöffnet. So kenne ich das vom letzten Jahr. Die Brücke bleibt aber zu, auch nach längerem Warten. Ich gehe an die Dalben und rufe wieder in Haren an. "...ja, wir haben eine Störung...die Techniker sind an der Arbeit...ich kann nicht sagen, wie lange es dauert." Um diese etwas unerfreuliche Geschichte abzukürzen, nach etwa 5 Stunden bin ich endlich im Yachthafen Haren (Ems). Zum Anlegen hat der Regen ein wenig nachgelassen und das Manöver klappt auf Anhieb, nicht zuletzt, weil mir der nette Stegnachbar dabei hilft.
   

Nachdem ich Stuppi festgemacht habe, gehe ich zum Hafenmeister um mich anzumelden. Die Aufnahme ist, wie bei meinem letzten Besuch, sehr freundlich. Ich bekomme ein paar Informationen zum Hafen und eine kleine Karte um mich in Haren zurecht zu finden. Zurück auf dem Boot ziehe ich mich um und mache mich auf den Weg in die Stadt. Ich suche das griechische Restaurant, in dem ich auch letztes mal gegessen habe. Das ist schnell gefunden und das Essen ist wieder sehr gut. Für den Rückweg brauche ich den Schirm nicht mehr, es hat aufgehört zu regnen. An Bord räume ich noch ein wenig auf, dann gehe ich in die Koje.

Samstag, 09,07,2016
Heute fahre ich zwar erst nach 11 Uhr los, trotzdem stehe ich um 7 Uhr auf. Meine Frau und Freunde mit ihrer kleinen Tochter kommen mich heute besuchen und fahren dann mit mir bis zum Ems Yachtclub Lingen. Deshalb wird heute das Boot aufgeräumt, der Müll entsorgt und alles an seinen Platz geräumt. Da der Hafen Zapfstellen mit Hafenwasser anbietet, die man zum Bootwaschen nutzen kann, mache ich auch gleich eine komplette Außenreinigung. Das Wetter ist dafür geradezu perfekt, Sonnenschein und ein leichter Wind. Nach gut 3 Stunden bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Da noch etwas Zeit ist, gehe ich noch schnell duschen und ziehe mir saubere Klamotten an. Die restliche Wartezeit verbringe ich damit, mich mit den anderen Skippern zu unterhalten oder beim Slippen zuzusehen. Kurz nach 11 Uhr trifft der Besuch ein. Nach der Begrüßung gehen wir an Bord. Ich gebe eine kurze Einweisung, schließlich fahren wir durch drei Schleusen und schon machen wir die Leinen los. Aus dem Hafen in den Kanal fahre ich noch selbst, dann lasse ich gerne den Besuch abwechselnd ans Ruder.
   

Nicht weit vom Hafen müssen wir schon durch die erste Schleuse. Wir fahren nach einem Berufsschiff als Fahrzeug Nummer zwei ein. Es klappt alles problemlos, wir sind schnell oben und können ausfahren. Den Dicken zu überholen macht keinen Sinn, da die nächste Schleuse nur 5 Kilometer entfernt ist und wir dort eh auf ihn warten müssten. So kommen wir mit ihm ohne Verzug durch die drei Schleusen und fahren ca. 17:30 Uhr in den Yachthafen Lingen ein. Die Hafenmeisterin nimmt uns freundlich entgegen und ich zahle auch gleich mein Liegegeld. Von hier aus machen wir uns auf den Weg zum "Hotel am Wasserfall" wo meine Tochter bereits auf uns wartet. Wir essen sehr gut und haben eine wunderschönen Abend. Zurück auf dem Boot mache ich klar Schiff, bevor ich in die Koje gehe. Ab morgen bin ich wieder alleine unterwegs.

Sonntag, 10.07.2016
Nach einer erholsamen Nacht gehe ich um 6 Uhr duschen. Das Frühstück lasse ich heute ausfallen, ich bin von gestern Abend noch mehr als satt. So starte ich kurz vor 7 Uhr den Motor, mache die Leinen los und bin auf dem Weg. Nach ca. 4 Kilometern kommt die Schleuse Gleesen in Sicht. Ich melde mich per Funk an. "...Ihr müsst erst mal an den Anleger, das obere Tor ist defekt, der Techniker ist bestellt, kann aber dauern...". Ärgerlich, aber da kann man nichts machen. Ich lege also an dem funkelnagelneuen Sportbootwartesteg an und gehe ein wenig an Land.
       

Gut zwei Stunden später, mittlerweile sind wir vier Sportboote, kommt die Schleuse dann zu Tal. Nachdem die Berufsschifffahrt ausgefahren ist, können wir rein. Das Tor wird geschlossen und es geht nach oben. Der Techniker kommt zu uns und erklärt, das wir nach dem Öffnen des oberen Tores auf sein Zeichen hin trotz rotem Licht ausfahren sollen. Wir tun wie uns gesagt wird und alles geht glatt. Im Konvoi fahren wir die drei Kilometer bis zu Schleuse Hesselte. Da ich das erste der Boote bin, melde ich mich und die drei hinter mir über Funk an. Die Kammer ist gerade unten und wir können sofort einfahren. So passieren wir auch die nächsten Schleusen, Venhaus, Altenrheine und Rodde. An der Schleuse Bevergern gehen wir an den Wartesteg, da die Kammer gerade auf dem Weg nach oben ist. Die Wartezeit ist nicht lang und vergeht wie im Flug, da wir uns sehr nett unterhalten. Nachdem wir auch diese Schleuse passiert haben, winke ich zum Abschied den Booten hinter mir zu, die gehen nach backbord in den Mittellandkanal. Ich habe jetzt noch 28 Kilometer bis zur Marina "Alten Fahrt Fuestrup", meinem heutigen Ziel. Um 17 Uhr laufe ich in die Marina ein. Mir wurde gesagt, alle Boxen nach der 60 und die Kade gegenüber sind frei. Wegen der recht engen Boxen, Stuppi ist zwar nur 7,50 Meter lang, dabei aber fast 3 Meter breit, entscheide ich mich für die Seite gegenüber.
   

Nachdem ich Stuppi gut fest gemacht habe, gehe ich zum Hafenmeister, der mich freundlich empfängt. Die Liegegebühr wird bezahlt und ich gehe zurück zum Boot um mich umzuziehen. Da ich kein Frühstück hatte, bin ich hungrig und möchte in dem guten Restaurant des Hafens essen gehen. Das Essen schmeckt sehr gut und nebenbei unterhalte ich mich sehr nett mit einem älteren Ehepaar aus der Schweiz (er weit über 70, sie ?), die mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa fahren. Heute gehe ich spät in die Koje. Vorher wird noch einmal ein Backup der Fotos, Videos und der GPS-Tracks gemacht, sicher ist sicher. 

Montag, 11.07.2016
Wie meist werde ich vor meinem Wecker wach, es ist kurz nach 6 Uhr. Ich bin fit und überlege nicht lange, Leinen los. In Sichtweite der Schleuse Münster melde ich mich über Funk an und kann sofort in die Kammer einfahren. Es ist die einzige Schleuse für heute. Nachdem ich ausgefahren bin, habe ich also nur noch freie Strecke bis zum AMC Castrop vor mir. Nach vielen Kilometern taucht vor mir die riesige Baustelle im DEK auf, ich habe darüber in den ELWIS-Meldungen gelesen. Wie gefordert melde ich mich bei der Einfahrt in die Baustelle über Funk an und fahre ohne Sog und Wellenschlag. Bei einem kurzen Blick zurück, sehe ich die Wasserschutzpolizei direkt hinter mir fahren. Wie es aussieht, wollen die aber nichts von mir, die legen nach kurzer Zeit an einem der Baufahrzeuge an und werden dort auch schon erwartet. In einiger Entfernung vor mir legt ein Schuber mit einem leeren Schubleichter vom Ufer ab und fährt dann zu Berg. Ich bleibe in gebührendem Abstand hinter ihm, denn in der Baustelle darf aus gutem Grund nicht überholt werden. Hier sind Dutzende Bagger, Schubleichter und andere Baufahrzeuge auf dem Wasser unterwegs. Am südlichen Ende meldet sich der Schubverband vor mir zur Fahrt in den Engpass an. Ich melde mich anschließend auch über Funk "...Motoryacht Stuppi fährt hinter ihnen ebenfalls in den Engpass zu Berg." Kurz darauf von dem Schubschiff vor mir das lange Achtungssignal und dann mehr als fünf kurze Töne als Zeichen für eine Kollisionsgefahr. Ich stoppe sofort auf und sehe wie der Schuber hart backbord abdreht. Er ist lang und der Engpass ist wirklich ein Engpass, der Schubleichter rumpelt mit dem Bug auf das Ufer bevor er stoppen kann. Zwei Motoryachten, groß und sicher mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet, haben es wohl nicht für nötig erachtet, sich über ihre Fahrtroute zu informieren. Eine Antenne für den Schiffsfunk haben sie auf dem Dach, aber wahrscheinlich das Funkgerät nicht an. Wäre der Schuber nicht aufs Ufer gegangen, so hätten wir nun zwei gesunkene Yachten im Kanal. Das Schubschiff meldet sich bei mir über Funk "...deine Kollegen haben mich gerade an die Wand gedrückt, ich muss zurücksetzen...". "Kein Problem, ich habe es gesehen, komm ruhig zurück, es ist Platz genug" antworte ich. Als er wieder gerade im Fahrwasser steht und Fahrt aufnimmt, meldet er sich noch einmal "...ich gehe nach dem Engpass backbord ans Ufer um beladen zu werden, du kannst dann an meiner Steuerbordseite vorbei. Pass aber auf, da kommt dir noch so ein Geisterfahrer entgegen". Ich bedanke mich für die Info und ziehe, nachdem der Gegenverkehr durch ist, an seiner Steuerbordseite vorbei. Der Rest der Fahrt verläuft reibungslos und ich lege so um 17 Uhr beim AMC an. Das klappt allerdings erst im zweiten Anlauf, da der Wind enorm zugenommen hat und mich vom Anleger weg drückt. Ich mache Stuppi mit den Leinen fest, die einen Ruckdämpfer haben, schließe den Strom an und gehe zum Hafenmeister mein Liegegeld bezahlen.
   

So, nun eine Dusche, dann ordentliche Klamotten anziehen und ab zum Essen in das richtig gute Hafenrestaurant.
             

Dienstag, 12.07.2016
Die Nacht war sehr unruhig. Es gab zwar keine großen Wellen, aber die schlugen so gegen die Bordwand, dass sie die Nachtruhe doch hin und wieder empfindlich gestört haben. Da ich nun eh wach bin, mache ich um kurz vor 6 Uhr die Leinen los. Es sind nur wenige hundert Meter bis zur Schleuse Herne. In Sichtweite melde ich mich über Funk an. "...das Motorschiff an der Kade hat sich gestern für heute Morgen 6 Uhr zum Schleusen angemeldet, da kannst Du mit...". Ich gehe also an den Wartesteg für Sportboote. Um 6:20 Uhr meldet sich die Schleuse über Funk bei mir. "...auf dem Motorschiff tut sich ja noch nichts, ich schalte die Lichter auf grün, dann kannst Du einfahren." Gesagt, getan und schon bin ich auf dem Weg nach unten. Ich glaube, ich habe es in meinem letztjährigen Reisebericht schon erwähnt, das Personal auf den Schleusen ist immer freundlich und hilfsbereit. Das hat sich auf der diesjährigen Tour wieder bestätigt und ich werde nicht müde es immer wieder zu erwähnen. Auch an den nächsten Schleusen keine Probleme, nach der Anmeldung über Funk werden auch schon die Lichter auf grün geschaltet. So komme ich in rekordverdächtiger Zeit im Duisburger Hafen an. Hier hole ich die Fender und Leinen ein und mache das Boot für einen schnellen Ritt auf dem Rhein startklar, denn letztes Jahr bin ich die knapp 80 Kilometer bis Emmerich in 2 Stunden gefahren. So vorbereitet mache ich mich auf den Weg aus dem Hafen auf den Rhein zu Tal. Kaum dort angekommen ist klar, die Fahrt heute dauert erheblich länger. Es herrscht starker Wind aus nördlichen Richtungen und somit gegen den Strom. Die Wellen, die sich dabei aufbauen sind sehr steil, so dass an schnelles Fahren nicht zu denken ist. Aber ich habe ja Zeit und so lasse ich es ruhig angehen. Um einen kleinen Eindruck der Situation festzuhalten, habe ich die Action-Kamera schnell auf das Armaturenbrett geklemmt. Nur zur Information, es hat nicht geregnet.

Um 16:30 Uhr fahre ich in den Yachthafen Emmerich, das Anlegemanöver klappt beim zweiten Anlauf, Leinen belegen und ich bin angekommen. Da es schon recht spät ist, bleibe ich noch über Nacht. Bis zum Abendessen ist es noch einige Zeit, so dass ich schon mal die gebrauchte Wäsche, das Leergut und diverse Unterlagen vom Boot in mein Auto bringe. Nach dem Abendessen lade ich die ersten Bilder und Videos in die Cloud, Dieter ist ganz hibbelig und möchte die endlich mal sehen. Heute geht es spät in die Koje.

Mittwoch, 13.07.2016
Ich habe tief und fest geschlafen. Um 7:30 Uhr stehe ich auf und mache mir erst einmal Frühstück. Dann beginne ich damit, das Boot aufzuräumen und anschließend von außen und innen zu putzen. Wenn man 14 Tage unterwegs war, hinterlässt das natürlich Spuren. Um 13 Uhr bin ich fertig und mit dem Ergebnis zufrieden. Ich kontrolliere noch einmal alle Leinen und Fender, schließe das Boot ab und mache mich auf den Weg nach Hause.

Fazit:
Diese Tour war 740 Kilometer lang, mit 49 Schleusen und 196 beweglichen Brücken gespickt. Jeder Tag hatte seine Höhepunkte, jeder Tag war anders als die Vorherigen und manche recht anstrengend. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt, neue Landschaften gesehen, aufregende Situationen erlebt und ich möchte keine Minute davon missen.
Allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Zitieren
#2
Ein paar Informationen mehr über Ausstattung der Häfen, Besonderheiten bei den Schleusen oder den beweglichen Brücken wäre wünschenswert. Ansonsten ein schöner Bericht.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste