Törn Emmerich - Batavier - Biesbosch - Gorinchem - Nijmegen - Emmerich
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Samstag, 15.06.2019
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in Emmerich um 10 Uhr die Leinen los zu machen. Aber wie das so ist mit den Vorsätzen. Ich bin zu spät von daheim abgefahren und habe zudem länger gebraucht, um das Boot startklar zu machen. So kommen wir erst um 11:45 Uhr von Emmerich los. Wir, das bin ich und Reika, der Hund meiner Tochter. Reika war auch im letzten Jahr schon mit auf Tour. Das war für sie das erste mal längere Zeit auf dem Boot, mit einigen Problemen, die wir aber nach 3 Tagen in den Griff bekommen haben. Nun bin ich gespannt, ob es wieder so lange dauert, bis sie sich an das Leben auf dem Boot gewöhnt hat. Als wir ablegen, hat der Wind deutlich zugenommen und kommt außerdem auch noch aus der ungünstigsten Richtung, Wind gegen Strom. Kaum sind wir aus der Hafeneinfahrt heraus, klatschen auch schon die Wellen gegen den Bug, es "hackt". Das ist kein schöner Auftakt für unsere diesjährige Tour. Es hilft nichts, wir fahren langsam und ich versuche die gröbsten Wellentäler zu meiden. Viel später als geplant erreichen wir Nijmegen und können endlich in geschützte Gewässer einlaufen. Ich laufe also backbord in den Maas-Waal-Kanal ein und spreche die Schleuse über Funk an. Sie teilt mir mit, dass ich Backbord in die Kammer fahren kann. Als ich an der Wand festmache, werde ich von jemandem gerufen, es ist der Schleusenwärter. Der fordert mich auf, mein Funkgerät auszuschalten, da ich den kompletten Funkverkehr störe. Ich schalte das Gerät sofort komplett aus und kümmere mich dann weiter um die Schleusung. Nachdem wir ausgefahren sind, denke ich noch über mein Funkgerät nach. Wenn wir unser Tagesziel erreicht haben, werde ich mir das genauer ansehen. Erst einmal die gemütliche und ruhige Fahrt bis zur Maas. Kurz vorher noch die Schleuse Heumen, die aber wie meistens offensteht. Nun geht es die Maas zu Tal. Nach knapp 10 Kilometern passieren wir die letzte Schleuse für heute, Sluis Grave. Da ich mich nicht traue das Funkgerät einzuschalten, melde ich mich über die Gegensprechanlage. Das geht völlig problemlos und wir sind im nu auf der anderen Seite der Schleuse. Etwa 5 Kilometer weiter geht es steuerbord in Richtung des Jachthaven Batavier. Ich finde dort sofort einen schönen Platz am Passanten Steg und mache das Boot fest. 
         
Wir haben sehr viel länger gebraucht als geplant und Reika hat ein dringendes Bedürfnis. Deshalb gehe ich mit ihr erst einmal eine ausgiebige Gassi-Runde, bevor ich bei der netten Hafenmeisterin die Formalitäten erledige. Wegen der Hafeninternen Feier mache ich mir an Bord etwas zu essen. Am späten Abend gehen Reika und ich noch eine große Runde durch die Natur rund um den Hafen. Zurück an Bord geht es früh in die Koje, der Tag war lang und anstrengend, ich bin müde und Reika auch.

Sonntag, 16.06.2019
Da wir gestern sehr früh in der Koje waren, werde ich im 6 Uhr wach. Ich hatte den Wecker zwar auf 7 Uhr gestellt, stehe aber trotzdem auf. Schlafen kann ich nun eh nicht mehr. Damit die Kleine nicht "mitten in der Nacht" ihre Geschäfte erledigen muss, gehe ich zunächst duschen. Wie im letzten Jahr auch, schließe ich Reika dafür in der Kajüte ein. Nicht weil sie abhauen würde, sondern als Diebstahl-Prophylaxe. Genau wie im letzten Jahr gefällt ihr das überhaupt nicht. Die Sanitäranlagen sind großzügig und sauber. Zurück vom Duschen, das kostet hier nichts extra, ziehe ich mich um und wir gehen los. Nachdem alles erledigt ist und wir wieder an Bord sind, mache ich mir mein Müsli und gebe Reika ihr Trockenfutter. Sie trinkt zwar, rührt das Futter aber nicht an. Nicht so schlimm, gestern hat sie ja alles aufgefuttert, dann kann so eine Mahlzeit auch mal ausfallen. Dadurch, dass wir so früh aufgestanden sind, kann ich die Leinen schon um kurz vor 8 Uhr losmachen. Zwei Stunden später erreichen wir die einzige Schleuse unseres heutigen Tages. Mir wird die Backbord Kammer zugewiesen, sobald die oben ist und die Lichter grün zeigen. Etwa 10 Minuten später kann ich einfahren. Mittlerweile sind noch zwei weitere Sportboote eingetroffen, so dass wir zu dritt abgeschleust werden. Die weitere Fahrt verläuft völlig problemlos und wir erreichen schon um 13:30 Uhr den Zielhafen in Heusden.
   
Wie ich feststelle, ist es sehr gut, dass wir so früh hier ankommen, ich bekomme gerade noch einen Platz am Meldesteg.
         
Als ich festmache, kommt noch ein Segelboot, das die letzten Meter vor mir zum Anlegen nutzt. Ich helfe natürlich gerne und wir legen den Segler so nah wie möglich an mein Boot. Der Platz passt so gerade eben. Reika und ich machen uns auf den Weg zum Hafenbüro, um uns anzumelden. "Du kannst da liegen bleiben, der Hafen ist eh voll..." bekomme ich als Info vom Hafenmeister. Passt mir gut, dann muss ich nicht noch einmal ab- und anlegen. Auch der Segler darf dort bleiben. Ich bezahle die Gebühren und gehe mit der Kleinen eine Erkundungsrunde in Richtung Ortschaft.
   
Der Ort selbst,
               
der alte Hafen,
           
die Wallanlagen,
               
alles sehr hübsch. Wir kehren zurück zum Boot und machen uns einen gemütlichen Nachmittag. Gegen Abend gehen wir noch einmal los, diesmal auf der alten Wallanlage einmal um den Ort herum. Auch dieser Spaziergang ist sehr schön. Zu Abend esse ich im Pannekoekenbakker im Zentrum. Es ist ausgesprochen lecker. Reika liegt derweil neben mir und döst. Ich trinke noch ein Bier und wir gehen spät zum Boot. Obwohl wir heute nicht lange gefahren sind, sind wir beide müde. Als es dunkel wird, legen wir uns schlafen.

Montag, 17.06.2019
Heute wache ich erst um 6:30 Uhr auf. Gestern hatte ich noch überlegt, ob ich evtl. nicht nach Biesbosch fahre, sondern über die Andelse Maas direkt nach Gorinchem, mein Ziel für übermorgen. Der Grund für die Überlegung war der doch recht starke Wind. Wenn ich nach Biesbosch und am nächsten Tag dann über Steurgat auf die Boven Merwede fahre, habe ich 8 km gegen den Strom bis zur Lingesluis in Gorinchem. Das würde ich Reika ungern zumuten. Aber der Wind ist mäßig, außerdem tut es gut nur eine kurze Strecke zu fahren. Also gehe ich erst einmal duschen, dann mit Reika die übliche Gassi-Runde und anschließend wird gefrühstückt. Die Gassi-Runde fällt heute deutlich länger aus als sonst. Das liegt daran, das mir gestern der Rundgang über die Wallanlage sehr gut gefallen hat. Es ist sonnig, aber von der kalten Nacht noch alles voller Morgentau, das tut richtig gut.
                           
Beim Vorbereiten der Abfahrt komme ich noch mit meinem Stegnachbarn ins Gespräch, so das wir erst um 10:15 Uhr tatsächlich die Leinen los machen. Wie gesagt, die Strecke ist kurz und um 13 Uhr sind wir im Jachthaven Biesbosch. Nachdem ich die Formalitäten erledigt habe und das Boot an seinem endgültigen Liegeplatz festgemacht ist,
           
mache ich mit Reika einen Erkundungsrundgang. Zurück an Bord wird ausgeruht, ihr gefällt das sehr gut. Unser Liegeplatz gewährt uns einen schönen Ausblick über den Hafen. Um die Wärme zu meiden, gehen wir erst spät abends zum Essen. Wir finden im Restaurant "Het Panorama" einen schönen, schattigen Platz auf der Terrasse. Der Name des Restaurants ist sehr passend. Hier fährt alles vorbei was sich auf dem Wasser bewegen kann, Sportboote aller Art, Jetski, große Jachten und natürlich die Berufsschifffahrt.
       
Das Essen ist in Ordnung, das Bier vom Fass ebenso. Zurück auf dem Boot mache ich es mir auf der Plicht gemütlich und genieße den Sonnenuntergang. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, mache ich das Boot dicht und lege mich schlafen.

Dienstag, 18.06.2019
Wie meistens werde ich vor dem Wecker wach, so gehe ich um 6 Uhr duschen und anschließend mit dem Hund die Runde. Nach dem Frühstück und der Tasse Kaffee lege ich ab und fahre zur Tankstelle. Diese ist ab 8:30 Uhr betriebsbereit. Also getankt und anschließend los über das Steurgat nach Gorinchem. Die Fahrt ist sehr ruhig und beschaulich. Um auf die Bowen Merwede zu gelangen, müssen wir in Werkendam durch die Biesboschsluis. Als ich dort ankommen, bin ich das siebte oder achte Boot, das vor der Schleuse wartet. Da es windstill ist lasse ich das Boot treiben, es bleibt auf der Stelle. Die Schleuse wird geöffnet und nachdem die Ampel auf Grün springt, beginnt der Tross einzufahren. Als das Boot vor mir dran ist, springt die Ampel wieder auf Rot, die Schleuse ist voll. Der Skipper macht sich, genau wie ich, bereit am Wartesteg anzulegen. Plötzlich zeigt die Ampel doch wieder Grün. Der Schleusenwärter hat anscheinend ein wenig "aufgeräumt" und winkt uns nun zu kommen. Tatsächlich passen wir beide noch in die Kammer, wenn auch nur knapp.
           
Nach 30 cm Hub geht das Tor auch schon wieder auf und wir können ausfahren. Wie erhofft ist das Wasser ruhig und ich kann problemlos bis zur Lingesluis fahren. Hier habe ich Glück, das Tor ist offen und ich kann mit einem anderen Boot direkt schleusen.
       
Hinter der Schleuse beginnt der Lingehaven. Der vordere Teil des Hafens ist für größere Boote vorgesehen,
   
deshalb lege ich hinter der Peterbrug an.
       
Mit Reika zusammen mache ich mich auf den Weg zum Hafenbüro, das ist auf der Schleuse, um die Formalitäten zu erledigen. Die Mitarbeiter dort sind ausgesprochen freundlich. Nachdem alles erledigt ist, machen Reika und ich einen kleinen Erkundungsrundgang und gehen danach erst einmal wieder an Bord. Gegen Abend machen wir uns auf den Weg um uns den Ort anzuschauen.
   
Bei der Gelegenheit halte ich Ausschau nach einem Restaurant für das Abendessen. Aber da heute Dienstag ist, sieht das schlecht aus. Heute haben alle Ruhetag. Ok, dann ein schöner Spaziergang durchs Grüne, damit Reika ihre Geschäfte erledigen kann und anschließend an Bord selbst etwas gekocht. Reika findet das ganz gut, hier ist Ruhe und niemand läuft ständig an ihr vorbei. Sie legt sich hin und döst. Ich nutze die Zeit, um die Erlebnisse der letzten Tage aufzuschreiben und schon mal die Fotos und Videos zu sichten. Kurz bevor es dunkel wird, gehen wir noch einmal eine Runde und anschließend in die Koje.

Mittwoch, 19.06.2019
Ich stehe um kurz vor 7 Uhr auf und gehe duschen. Die Sanitäranlagen sind hier in einem separaten Gebäude, sie sind großzügig und sauber. Zurück auf dem Boot ziehe ich mich um und mache mit Reika die übliche Runde am Morgen. Es ist windstill, sonnig und schwül. Aber der Wetterbericht hat schweres Gewitter mit Sturmböen vorhergesagt, davon ist noch nichts zu sehen. Nachdem wir unser Frühstück beendet haben, frischt der Wind deutlich auf.


Kurze Zeit später wird der Himmel bedrohlich dunkel und in der Ferne ist bereits Donnergrollen zu hören, und dann geht es los. Es schüttet wie aus Eimern, es blitzt und donnert, begleitet von mächtigen Sturmböen.


Die Entscheidung ist gefallen, ich mache hier einen zusätzlichen Hafentag. Bis zum frühen Nachmittag ändert sich am Wetter nicht viel. Dann lässt der Wind langsam nach und es hört auch auf zu regnen. Am frühen Abend wird es sogar ein wenig sonnig. Ich beschließe mit Reika einen wirklich langen Spaziergang zu machen. Wir gehen zur Lingesluis
       
und biegen danach rechts auf den Fußweg ab, der auf der Wallkrone verläuft. Es geht am Yachthafen vorbei bis zur Grote Merwedesluis, weiter zur Korte Brug und von dort an der Artilleriekade entlang zur Sint Jan's Kerk. An der Kirche vorbei zum Grote Markt und durch die historische Altstadt zum Liegeplatz. Wir sind nach fast 2 Stunden wieder zurück an Bord. Zwei Liegeplätze weiter hat eine Charteryacht festgemacht. Der Skipper lädt mich und natürlich auch Reika ein, auf einen schottischen Whiskey an Bord zu kommen. Wir nehmen an und haben einen schönen Ausklang des Tages. Als die Dunkelheit hereinbricht, gehen wir wieder zurück auf unser Boot und liegen auch kurz danach in der Koje.

Donnerstag, 20.06.2019
Heute wache ich doch tatsächlich erst um 7 Uhr auf, obwohl wir gestern außer den Spaziergängen nicht viel Anstrengendes gemacht haben. Vielleicht war der Whiskey von gestern Abend schuld, wer weiß. Ok, wie geht es weiter? Da ich nicht verschwitzt bin, lasse ich die Dusche heute ausfallen, Zähneputzen und Katzenwäsche muss reichen. Die übliche Runde mit der Kleinen und dann bin ich um kurz vor 8 Uhr auch schon unterwegs. Nach etwa einer Stunde komme ich an der Schotdeurensebrug an und melde mich über die Gegensprechanlage. "Ich kann die Brücke nicht öffnen, sie können nicht weiterfahren, da die Eisenbahnbrücke gesperrt ist." Ich bekomme täglich die Mail-Benachrichtigungen vom Rijkswaterstaat und dort war auch eine Sperrung der Eisenbahnbrücke angegeben, allerdings für den 18.06.2019 und der ist ja nun mal vorbei. Aber was soll ich machen, also umgedreht und wieder zurück zum Lingehaven an meinen Platz von heute Morgen. Ich gehe mit der Karte zum Hafenkantoor und frage nach, ob die genauere Informationen bzgl. der Sperrung haben. Nein, aber die nette Dame ruft auf der Grote Merwedesluis an und bekommt dort die Information das frühestens am Samstag mit einer Durchfahrt gerechnet werden kann. Aber sicher ist das natürlich auch nicht. Heute kann ich eh nichts mehr machen, also verlängere ich meinen Aufenthalt hier zum zweiten mal um einen Tag. Zurück an Bord überlege ich die Alternativen, die ich habe.
  1. Abwarten und hoffen, das es Samstag wirklich weitergeht:
    Ich müsste dann 2 Tage meiner geplanten Tour auslassen, damit ich rechtzeitig wieder zu Hause bin. Das würde funktionieren. Aber was ist, wenn es Samstag nicht weiter geht? Am Sonntag wird nicht gearbeitet, also wäre die Weiterfahrt dann erst am Dienstag möglich. Das würde bedeuten, ich könnte nur noch über Waal und Rhein zurück nach Emmerich. Bei dem Wind keine schöne Vorstellung.
  2. Über Boven Merwede und Amsterdam-Rhein-Kanal nach Utrecht:
    Hier hätte ich bis zum Amsterdam-Rhein-Kanal ca. 40 Kilometer gegen den Strom zu fahren und auf dem Kanal dann noch mal ca. 30 Kilometer. Das wäre mindestens 1 zusätzlicher Fahrtag, ruppig und sicher nicht erholsam.
  3. Ich fahre morgen über die Afgedamde Maas auf die Maas:
    Die Afgedamde Maas beginnt 2 Kilometer stromauf von meinem jetzigen Liegeplatz. Das ist zu verkraften. Dann geht es Richtung Süden, wobei ich bei Heusden wieder auf die Maas käme. Von dort dann stromaufwärts bis zum Maas-Waal-Kanal, in Nijmegen auf den Waal und gegen den Strom nach Emmerich. Wenn es viel Wind hat, vor allem gegen den Strom, dann kann ich nicht so schnell fahren und es wird holperig.
Ich wäge die Argumente ab und beschließe, es morgen vom Wetter, genauer vom Wind, abhängig zu machen, ob ich die Alternative 3 nehme. Sie scheint mir die akzeptabelste Option zu sein. Fakt ist aber schon mal, das ich dieses Fahrgebiet nicht mehr besuchen werde. Hier gibt es zu wenig Ausweichmöglichkeiten, wenn mal wieder etwas gesperrt ist. Außerdem sind die großen und teilweise sehr ruppigen Flüsse nicht das was ich möchte. Da lobe ich mir Friesland und die Gegend um das IJsselmeer. Wir gehen eine Runde durch die Stadt und ruhen uns anschließend an Bord aus. Am späten Abend drehen wir eine ausgiebige Runde durchs Grüne und kehren anschließend in einem Restaurant gegenüber unserem Liegeplatz ein. Nach dem Essen geht es zurück an Bord. Reika legt sich hin, ich schreibe noch ein wenig und schaue mir noch einmal die Wettervorhersagen für morgen an. Dann lege ich mich auch schlafen.

Freitag, 21.06.2019
Die Schleuse wird ab 9 Uhr bedient, so das Reika und ich erst kurz vor 7 Uhr aufstehen. Der Wind ist schwach, also werde ich die gestern geplante Alternative 3 fahren. Da ich mir als Ziel für heute die Marina Hanzeland bei Maasbommel gesteckt habe, absolvieren wir eine ausgiebige Gassi-Runde. Zurück an Bord wird noch kurz gefrühstückt und dann mache ich das Boot klar zum Ablegen. Pünktlich um 9 Uhr stehe ich als Fahrzeug 2 vor der Schleuse, die gerade das Tor öffnet und ein Segelboot ausfahren lässt. Das Boot vor mir und ich fahren in die Kammer und sind wenige Minuten später auf der Boven Merwede. Ich nehme Kurs bergan auf das gegenüber liegende Ufer. Nach 2 Kilometern laufe ich steuerbord in die Afgedamde Maas. Ab hier ist das Wasser wieder ruhiger. Vier Kilometer weiter komme ich an die erste Schleuse des heutigen Tages, Wilhelminasluis. Als ich ankomme steht das Tor offen und das Licht ist grün. Ein Sportboot liegt schon steuerbord in der Schleuse. Ich gehe dahinter an die Dalben, da seit geraumer Zeit ein Ausflugsschiff hinter mir fährt, von dem ich annehme, das es auch durch die Schleuse will. Nachdem das Ausflugsboot backbord in der Schleuse ist, gehen die Tore zu und nach wenigen Zentimetern Fall können wir auch schon wieder ausfahren. Ich lasse das Sportboot und das Ausflugsboot ziehen und fahre gemächlich die 14 Kilometer bis zu Maas. Dort geht es nach Backbord, etwa 30 Kilometer stromauf bis zur zweiten Schleuse des Tages, Prinses Maximasluizen. Da ich ja immer noch nicht weiß, ob mein Funkgerät defekt ist, lege ich am Wartesteg für Sportboote an und melde mich über die Gegensprechanlage. Es dauert etwa 15 bis 20 Minuten wird mir gesagt. Da Reika wegen der langen Fahrzeit nun doch schon etwas unruhig ist, mache ich das Boot fest und gehe mit ihr über den Steg an Land. Auf der angrenzenden Wiese macht sie dann auch sofort ihr Geschäft und ich kann beruhigt wieder mit ihr an Bord gehen. Wie angekündigt geht 15 Minuten später das grüne Licht an und ich fahre in die Kammer. Nachdem wir im Oberwasser wieder ausfahren, habe wir noch knapp 8 Kilometer bis zum Tagesziel vor uns. Wir laufen in De Goudenham ein und finden in der Marina Hanzeland einen schönen Liegeplatz. Die Passantenplätze liegen hier alle an einer großen, von Bäumen umsäumten Wiese. Das ist natürlich für Reika sehr schön.
   
Nachdem ich das Boot festgemacht habe, frage ich meinen Stegnachbarn, wo ich den Hafenmeister finde. "Der kommt immer mal rum..." ist die Antwort. Da Reika nach einiger Zeit unruhig wird, ich denke sie muss mal, gehe ich mit ihr über die Wiese zum Hafenkantoor. Dort hängt ein Schild, "bin im Restaurant", also gehen wir auch dort hin. Der Hafenmeister und die anwesenden Gäste sind alle sehr nett. Ich erledige die Formalitäten und trinke mein Anlegebier. Reika und ich gehen noch eine ausgiebige Runde und erkunden das Umfeld. Die Marina liegt komplett im Grünen, sehr schön. Zurück im Restaurant ist es Zeit für das Abendessen. Also, die Karte studiert und etwas leckeres bestellt. Es dauert ein wenig, aber wie ich sehe, ist dafür alles frisch gemacht worden und es schmeckt wirklich super. Hier würde ich jederzeit wieder essen gehen. Reika und ich gehen zurück zum Boot und liegen auch früh in der Koje.

Samstag, 22.06.2019
Um 6 Uhr wache ich auf. Die Idee ist, früh los zu fahren um es eventuell noch heute bis Emmerich zu schaffen. Also gehe ich bei Sonnenschein und gerade mal 12 Grad mit Reika die Gassi-Runde auf der vom Morgentau bedeckten Wiese. Nach einer knappen Stunde sind wir zurück. Heute fällt die Dusche und das Frühstück, zumindest für mich, aus. Es ist gerade 7 Uhr und wir sind unterwegs. Nach etwa 17 Kilometern kommen wir an die erste von drei Schleusen, die wir heute passieren werden. Ein Sportboot liegt schon am Wartesteg und ich schicke mich an, dahinter anzulegen. Noch bevor ich am Steg bin, legt das Sportboot ab und fährt in Richtung Schleusenkammer. Sehr gut, ich fahre hinterher und nach 15 Minuten sind wir auch schon durch. Auf der Fahrt zum Abzweig des Maas-Waal-Kanals gibt es eine längere Strecke, auf der ich schnell fahren darf. Also hole ich die Fender ein, schließe die Persenning und lege den Hebel auf den Tisch. Reika kommt sofort zu mir und setzt sich hechelnd und zitternd neben mich. Sofort nehme ich das Gas wieder raus und fahre mit dem üblichen, gemächlichen Tempo weiter. Es dauert sehr lange, bis sie sich einigermaßen beruhigt. Nun habe ich ein Problem. Wenn ich nach der Schleuse Weurt auf die Waal fahre, muss ich gegen den Strom anfahren. Das geht natürlich am besten, wenn ich im Gleitmodus fahre. Aber ich habe Bedenken, ob die Kleine das aushält. Also rufe ich meine Frau an und schildere ihr den Sachverhalt. Sofort macht sie den Vorschlag, Reika in Nijmegen mit dem Auto abzuholen. Wir vereinbaren uns am Lindenberghaven zu treffen. Die Fahrt bis zum Abzweig des Kanals und bis zur Schleuse Weurt ist ruhig und ohne große Wasserbewegungen. An der Schleuse angekommen gehe ich an den Sportbootwartesteg. Auf dem Weg dorthin sehe ich bereits ein Berufsschiff Richtung Schleusenkammer fahren. Als das in der Kammer verschwindet, kommt über Lautsprecher die Aufforderung ebenfalls in die Kammer zu fahren. Nachdem ich dort an der Wand bin geht auch schon das Tor zu. Es dauert nicht lange und wir können ausfahren. Ich halte mich hinter dem Dicken, der aus dem Kanal nach Backbord stromauf fährt. Genau da will ich auch hin. Die 3,5 Kilometer bis zum Lindenberghaven sind wegen der Wellen durch die Berufsschifffahrt noch einmal sehr ruppig. Als ich dort ankomme, traue ich meinen Augen kaum. Der Hafen existiert eigentlich nicht mehr. Hier liegen historische Schiffe, Pontons und Arbeitsschiffe. Einlaufend an Backbord wurde ein provisorischer Steg für Gäste errichtet. Der ist aber schon voll. Ganz am Ende erwische ich noch einen Platz und kann dort festmachen. Ich packe die Sachen für Reika zusammen, mache das Boot dicht und gehe Richtung Land. Das letzte Stück muss ich Reika tragen, da der Steg hier aus Gitterrosten besteht. An Land die nächste unangenehme Überraschung. Hier gibt es nur Bretterbuden mit Getränken, Klapptische als Verkaufsstände für allerlei Dinge und eine Stimmung wie auf einem billigen Rummel. Wir gehen hoch bis zur Waalkade/Ecke Voerweg und warten auf meine Frau. Die trifft auch wenig später ein. Als Reika sieht wer da kommt, ist die Freude kaum zu beschreiben. Wir laden alles ein und ich schaue den Beiden noch nach als sie abfahren. Zurück auf dem Boot lege ich ab und fahre auf die Waal stromauf. Kurz nachdem ich unter der Waalbrug durch bin, ist es ruhiger und ich mache das Boot klar für den "schnellen Ritt" nach Emmerich. Das Wasser hat Wellen, aber keinen Hack. Also los, 14:15 Uhr, Hebel fast am Anschlag, 15:15 Uhr anlegen in Emmerich an meinem Liegeplatz. Das hat super geklappt. Ich mache in Ruhe das Boot fest, räume meine Sachen zusammen und mache mich dann mit dem Auto auf den Heimweg.

Fazit: Ich wollte mal sehen, wie mir das Revier auf der Maas Richtung Westen gefällt. Die Leute, mit denen ich zu tun hatte, waren alle sehr nett und hilfsbereit, die Häfen ordentlich und schön gelegen. Aber auf Grund des ruppigen Waal und vor allem wegen der wenigen Ausweichmöglichkeiten bei Streckensperrungen ist das nicht meine Welt. Wie schon oben erwähnt, ist doch eher Friesland und die Gegend um das IJsselmeer mein Ding. Leider werde ich im nächsten Jahr Reika nicht mehr mitnehmen können. Letztes Jahr hat sie das gut verkraftet, dieses Jahr war es offensichtlich nur Stress für sie. Das muss nicht sein.
Allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
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